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Segen für alle
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Segen für alle

Eva Reuter
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Eva Reuter,

Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz
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„Du bist ein Segen!“ Wenn mir jemand so einen wunderbaren Satz sagt, spüre ich direkt, wie mir das gut tut. Ich spüre die Wärme und die Freude in mir und bin beflügelt. „Benedicere“, das lateinische Wort für segnen, bedeutet wörtlich übersetzt: „gut-sagen“. Es beschreibt damit, was segnen meint: Jemandem etwas Gutes zusagen, ihm sagen: Es ist gut, dass es dich gibt!

"Du bist gut so!"

Als Christin glaube ich: Dieser Segen kommt von Gott. Ich bewirke ihn nicht. Ich sage nur einem anderen Menschen, dass ich davon überzeugt bin, dass Gott ihn anschaut, und sagt: „Du bist gut so.“ So hat Gott es viele Menschen immer wieder spüren lassen. Die Bibel ist voll von solchen Segensgeschichten. Eine besonders schöne ist Gottes Versprechen an Abraham. Gott sagt zu ihm: „Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein.“ (Genesis / 1 Mose 12,2).

Wie kann jemand sagen: Segen ist unmöglich?

Die Verlautbarung der römischen Glaubenskongregation im März hat mich deshalb besonders getroffen. Sie stellt fest: Die Kirche hat keine Vollmacht, Beziehungen zwischen zwei Menschen gleichen Geschlechts zu segnen.  Das macht mich immer noch sprachlos. Wie kann ein Mensch – auch ein hoher katholischer Geistlicher – festlegen, dass Segen unmöglich ist?

Kirchen soll Teil des Segens Gottes sein

Nach meiner Auffassung ist Segen nicht die Belohnung für Wohlverhalten oder der Bonus für tadelloses Leben. Auch keine Gelinggarantie für Ehen oder Absturzversicherung für Fahrstühle oder Flugzeuge. „Gut-sagen“ meint gerade keine moralische Bewertung durch eine menschliche Institution. Segen ist Lobpreis Gottes für Schöpfung und Erlösung und die Bitte an Gott, sich dem Menschen mit seiner Güte zuzuwenden. Die Kirche und Ihre Vertreter sind nicht Quelle des Segens, keine Instanz, die über die Segensspendung entscheidet. Die Kirche und alle ihre Mitglieder sollen Zeichen und Werkzeug Gottes sein – also auch Teil seines Segens.

Gott segnet alle Menschen!

Segen ist an sich gut. Es tut gut, wenn mir jemand sagt: du bist gut! So, wie du bist, wie Gott dich geschaffen hat!“. Deshalb ist es gut und richtig, andere Menschen zu segnen. Daher würde ich sogar formulieren: Es steht keinem Christen zu, einem anderen Menschen den Segen zu verweigern!

Gott verweigert den Segen nicht

„Ein Segen sollst du sein“ – der Auftrag an Abraham gilt für mich bis heute. Jesus hat in seinem Handeln und in seinen Worten auch deutlich gemacht: Gott segnet alle Menschen. Manche Menschen brauchen etwas länger, bis sie den Segen spüren oder wahrnehmen können, aber Gott verweigert seinen Segen nicht.

Berufen zum Segnen

Ich segne daher gerne und häufig: Mein Kind, wenn es aus dem Haus geht, unseren Aufbruch, wenn wir eine längere Fahrt machen. Als Seelsorgerin segne ich hin und wieder auch Dinge wie Sternsinger-Aufkleber oder Engel für Schulanfänger oder bei vielen anderen Gelegenheiten Menschen, die mir begegnen. Und das will und werde ich weiter tun und lasse es mir nicht verbieten – dazu fühle ich mich von Gott berufen und gesegnet.

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