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Mit 50 Euro um die Welt
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Mit 50 Euro um die Welt

Rüdiger Kohl
Ein Beitrag von

Rüdiger Kohl,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt-Bockenheim
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Christopher Schacht stammt aus einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein. Er hatte gerade sein Abi gemacht, als er sich dachte: „Ich habe noch nichts von der Welt gesehen. Ich muss mal hier raus.“ Und so setzte er seine verrückte Idee um: Mit nur 50 Euro in der Tasche reiste er allein um die Welt. Seine Reise sollte lange dauern: Vier Jahre war er unterwegs. Er bereiste 45 Länder. Ohne ein Flugzeug zu benutzen.100.000 Kilometer legte er zu Fuß, per Anhalter und auf Segelbooten zurück.

Da man mit 50 Euro nicht weit kommt, hat er an vielen Orten gearbeitet. Zum Beispiel als Tankwart in Peru, als Schleusenhelfer im Panamakanal und Model für Golfschuhe in Korea. So hat er vieles gemacht, was er sich selbst vorher nicht zugetraut hatte.

Seit Christopher Schacht wieder in Deutschland zurück ist, interessieren sich viele Menschen für das, was er erlebt hat. Viele haben sein Buch gelesen. „Mit 50 Euro um die Welt“ (Christopher Schacht, Mit 50 Euro um die Welt. Wie ich mit wenig in der Tasche loszog und als reicher Mensch zurückkam, adeo 2018). Das zeigt mir: In vielen Menschen schlummert die Sehnsucht, aus dem Alltag auszubrechen und einen Traum zu verwirklichen. Mal keinen Plan zu haben, ohne Terminkalender und Zeitdruck. Und so Glück zu erfahren, dass nichts mit materiellen Dingen zu tun hat.

Christopher Schacht umschreibt das so: „Auf meiner langen Reise bin ich Gott näher gekommen.“ Das hat er in machen brenzligen Situationen erfahren. Als er zum Beispiel vor Südkorea auf dem Meer mit dem Schiff in einen Sturm geraten ist. Er sagt: „Ich habe oft gemerkt, dass ich mein Leben nicht selbst in der Hand habe.“

Auch die vielen wundervollen Orte, die er staunend besucht hat, haben ihn Gott näher gebracht. Oft hat er sich gedacht: „Die Welt ist so schön. Es ist doch recht wahrscheinlich, dass es einen Schöpfer gibt.“

Und er ist überzeugt: Gott ist mir auch in vielen Menschen begegnet. Unzählige Freundschaften hat er auf seiner Reise geschlossen. Ein Netz von Beziehungen, das sich über die ganze Welt spannt. Da er allein reiste, musste er auf andere zugehen. Und dabei oft seine eigenen Grenzen überwinden. Er war immer wieder auf die Gastfreundschaft anderer Menschen angewiesen. Er hat festgestellt: „Die allermeisten Menschen auf der Welt sind nett und wollen nur ein gutes Leben führen. Natürlich gibt es auch Schurken, aber die sind ganz eindeutig in der Minderheit.“ (Christopher Schacht, a.a.O. 63) 

Christopher Schacht hat seinen Traum gelebt. Eine Weltreise. Bei jedem Menschen sieht der Lebenstraum unterschiedlich aus. Die Geschichte von der Weltreise macht Lust, Neues zu wagen und dabei Erfahrungen zu machen, die man mit Geld nicht kaufen kann. Das muss kein gefährliches Abenteuer sein. Auch keine Weltreise. Manchmal genügt es, sich auf das Unerwartete einzulassen, das einem begegnet. Ich kann Gott begegnen, wenn ich über schöne Dinge staune. Oder mich anderen Menschen anvertraue. Christopher Schacht hat ganz nebenbei auf seiner Reise die Liebe seines Lebens gefunden. Deshalb kann er sagen: „Liebe verändert und kann in meinen Augen eindrucksvoller sein als alles andere.“ 

Vier Jahre war Christopher Schacht  unterwegs. Ob er Zeit verschwendet habe? „Nein“, sagt er überzeugt. „Ich durfte durch eine Lebensschule gehen. Ich habe gelernt, das Leben mit anderen Augen zu sehen. Und ich habe Gott auf eine Art kennengelernt, von der vorher nicht einmal wusste, dass das überhaupt möglich war.“ (Christopher Schacht a.a.O. 280).

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