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Mein Galiläa, mein Alltag

Mein Galiläa, mein Alltag

Pater Andreas Meyer
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Jedes Mal, wenn ich in der Bibel die Texte über die Auferstehung Jesu lese, wundere ich mich über seine Jünger. Die tun sich unheimlich schwer, zu begreifen, dass Jesus auferstanden ist. Es sind die Jüngerinnen, die viel eher als die Männer kapiert haben, worum es geht.

Im Matthäus-Evangelium wird erzählt: Die Frauen sind gleich am ersten Tag nach dem Passah-Fest zum Grab Jesu gegangen, um den Leichnam Jesu zu salben. Das hätte eigentlich vor dem Begräbnis sein sollen. Aber weil keine Zeit mehr war, haben sie den toten Jesus einfach so bestattet. Jetzt haben sie Zeit, diesen Liebesdienst nachzuholen. Aber es kommt ganz anders. Das Grab ist leer, der Tote verschwunden. Ein Engel spricht die Frauen an und sagt: „Ich weiß, ihr sucht Jesus. Er ist auferstanden und geht euch voraus nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn finden. Sagt das auch seinen Jüngern!“ (Matthäus-Evangelium 28, 1-8) Galiläa, das ist im Norden Israels, die Landschaft am See Genezareth, wo Jesus mit den Menschen gelebt hat. Ganz einfach: der Alltag der Jüngerinnen und Jünger.

In diesem Jahr bekommt der Text für mich eine neue Bedeutung: Jesus ist nicht da, wo wir ihn vermuten. Er ist nicht in unseren leeren Kirchen! Er ist da, wo für die Menschen Alltag ist. Bei denen, die in Quarantäne leben müssen. Bei denen, die große Angst haben, vom Corona-Virus angesteckt zu werden. Er ist bei denen, die um ihren Arbeitsplatz bangen, bei den Kranken und Alten, die keinen Besuch bekommen.

Das ist eine starke Botschaft! Und ich will mithelfen, dass diese Botschaft auch heute umgesetzt wird. Wenn ich bei meinen Begegnungen als Seelsorger in der Klinik den Menschen zuhöre, wenn ich vielleicht seit Tagen der erste bin, dem sie ihr Herz ausschütten können. Wenn ich Zeit habe für ein kurzes Gespräch mit dem Security-Mitarbeiter, der von morgens bis abends den Personaleingang an der Klinik beaufsichtigen muss. 

Dann ist das mein Galiläa heute. Jesus, der Auferstandene, will sich in diesem Alltag den Menschen zeigen.

 

 

 

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