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Land des Lächelns

Land des Lächelns

Dr. Barbara Brüning
Ein Beitrag von Dr. Barbara Brüning, Katholische Journalistin, Autorin und Systemische Familienberaterin, Frankfurt
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Ich musstesie kaufen, diese Zeitschrift mit dem Titel „Emotion“, weil darin ein Artikel über kreatives Schreiben angekündigt wurde. Das interessiert mich gerade sehr. Und der Artikel war auch gut.

Dann war da aber auch noch ein Beitrag von einer sehr gut aussehenden Frau, die sich zu Schönheitsoperationen bekannt hat. Das allerdings nicht, weil sie findet, dass sie nicht gut aussieht. „Es fing alles mit der Falte zwischen meinen Augen an“, erzählt sie. Jemand hatte ihr gesagt: „Du siehst damit zu ernst aus, und es ist ein Leichtes, sie weg machen zu lassen.“ Also hat sie es machen lassen. Und war zufrieden damit. Dann hat sie sich aber immer genauer im Spiegel angeguckt und festgestellt: Sie sieht insgesamt älter aus. Schon war sie wieder beim Schönheitschirurgen, und er hat ihr Gesicht mehr in jugendliche Y-Form gebracht. Tja, das hatte ich gar nicht gewusst, dass so eine Gesichtsform jung aussieht. Aber es hatte bei der Autorin den Nebeneffekt, dass sie auch immer glücklich und zufrieden aussah. Und das wiederum hat sie sehr entspannt. Sie musste sich gar nicht mehr anstrengen, so schreibt sie, um so auszusehen – egal, wie sie sich gefühlt hat, sie sah zufrieden aus.

Ja, ich weiß, was sie meint. Oft will auch ich nicht, dass andere sehen, dass ich zu viel gearbeitet oder auch zu viel gefeiert habe. Ich will nicht die Fragen hören: Geht’s dir nicht gut? Weil ich vielleicht gar nicht darüber reden will. Aber mal ehrlich: ist das der Ausweg, sich einfach ein stets lächelndes Gesicht operieren zu lassen? Es ist doch, als ob man sich eine Maske aufsetzen würde. So praktisch das wäre, so unheimlich ist es aber doch auch.

Ich will nicht verurteilen. Und auch wenn ich zugeben muss: eine jugendliche Maske wäre schon manchmal verlockend. Ich werde mich so schnell nicht operieren lassen. Und werde mein Gesicht weiter seine Geschichte erzählen lassen: von zu viel Ernst oder zu wenig Schlaf. Irgendwie fühl ich mich so zufriedener.

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