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Kein Frieden ohne Streit
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Kein Frieden ohne Streit

Dr. Barbara Brüning
Ein Beitrag von

Dr. Barbara Brüning,

Katholische Journalistin, Autorin und Systemische Familienberaterin, Frankfurt
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Wo bleibt eigentlich der Frieden? frage ich mich manchmal. Heute zum Beispiel ist der Internationale Tag des Friedens der Vereinten Nationen. Jedes Jahr begehen wir diesen Tag. Und es gibt sogar noch weitere Friedenstage im Jahr, wie zum Beispiel den 1. Januar, an dem die katholische Kirche den Weltfriedenstag begeht und den Antikriegstag am 1. September. Trotzdem scheinen Streit und Meinungsverschiedenheiten immer mehr um sich zu greifen. Einigung hingegen, die seh‘ ich eher selten. Gerade in den letzten Monaten sind durch Corona noch ein paar neue Themen dazu gekommen, die sehr hitzig diskutiert werden. Mit meiner Kollegin habe ich darüber gestritten: Ist es sinnvoll eine Maske zu tragen? Und manchmal sind wir dabei sehr sauer aufeinander gewesen.

Streiten, um die Meinung des anderen zu verstehen

Und doch denke ich: Es ist wichtig zu streiten, denn ohne eine solche Auseinandersetzung kann es keinen echten Frieden geben. Streit heißt ja nicht gleich, dass man Krieg führen muss. Es heißt eigentlich nur, dass man sich für die Wahrheit einsetzt. Meine Kollegin zum Beispiel: Ich mag sie gerne. Ich möchte weiterhin mit ihr ein Glas Wein trinken können. Sie ist mir nicht egal. Ich kann nicht sagen: „Ach denk nur, was du willst.“ Und ich nehme sie ernst. Ich hab sie gefragt: „Warum meinst du, es würde sowieso nichts bringen, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen?“ Weil ich sie verstehen möchte. „Warum glaubst du der Schaden, der durch das Tragen entsteht, wäre größer als der Nutzen, den sie bringen kann?“ Nach langen und oft hitzigen Diskussionen haben wir herausgefunden: Eigentlich hat sie die gleichen Werte, Sehnsüchte und Träume wie ich. Wir waren wie zwei Streithähne, die genau für dieselbe Sache gestritten haben: dafür, dass möglichst viele Menschen gesund bleiben, für Menschenwürde, für die Natur. Nur wie diese Ziele erreicht werden können, da sind wir unterschiedlicher Meinung.

Nur, wer im Gespräch bleibt, kann Frieden schließen

Mich erinnert das an eine Geschichte in der Bibel, in der es auch recht heftig zugeht: Da hat Jesus zu Petrus gesagt: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen!“ (Matthäus-Evangelium 16, 22). Dabei wollte doch Petrus nur Jesu Leben retten. Und am Ende stellt sich heraus: Das Leben, das gerettet werden soll, bedeutet für Jesus etwas anderes als für Petrus.

Mit Menschen, die anderer Meinung sind, kann ich durchaus Frieden schließen – allerdings müssen wir dafür ins Gespräch kommen.

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