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Katzenhimmel
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Katzenhimmel

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Ein Mann kommt ganz blass nach Hause. „Ich habe gerade eine Katze überfahren“, sagt er. „Sie ist mir einfach vors Auto gelaufen. Ich konnte überhaupt nichts machen.“ Sein Freundeskreis ist gerade zu Besuch. Alle versuchen ihn zu beruhigen: „Du kannst ja nichts dafür.“ „Ich weiß“, sagt der Mann. „Trotzdem schrecklich. Eben hat sie noch gelebt, und auf einmal liegt sie da. Was ist jetzt mit ihr?“

Ein Freund sagt: „Sie ist bestimmt im Katzenhimmel.“ Eine Freundin ist da nicht so sicher: „Schöne Vorstellung. Aber gibt’s den wirklich? Dann müsste ja jede Stechmücke und jeder Einzeller auch in den Himmel kommen. Der wäre ja schon längst wegen Überfüllung geschlossen. Also ich kann mit dem Konzept Himmel nicht viel anfangen.“ Der Freund erwidert: „Ich stelle mir den Himmel jenseits von Raum und Zeit vor. Platzmangel ist da nicht das Problem.“

Ein Dritter mischt sich ein: „Aber die Frage ist doch: Haben Tiere eine Seele so wie wir Menschen? Bei Hund oder Katze sehen wir das gerne so. Zu denen haben wir einen Bezug. Da bekommen wir mit, wenn sie leiden oder sich freuen. Aber bei der Ameise oder den Bakterien? Das sind doch auch Lebewesen, auch wenn wir sie nicht so süß finden!“

„Eben!“, sagt der, der sich den Himmel jenseits von Raum und Zeit vorstellt. „Das ist ja das Wunder des Lebens. Unsere Erde ist voller Leben, mikroskopisch klein wie Einzeller und riesig wie der Blauwal. Die ganze Welt ist beseelt. Ich finde das groß. Und ich glaube, dieses viele Leben geht nicht einfach hops und verloren. Ich glaube, alles Leben kehrt zu seinem Ursprung zurück – und den könnt ihr nennen, wie ihr wollt. Ich nenne ihn Himmel.“ Die Freundin sagt zu dem, der das Auto gefahren hat: „Komm, wir lassen die anderen weiter diskutieren. Wir rufen die Straßenmeisterei anrufen, damit die tote Katze von der Straße kommt. Das ist etwas, was wir für sie tun können.“

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