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Wie kommt Hoffnung auf die Welt?
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Wie kommt Hoffnung auf die Welt?

Heidrun Dörken
Ein Beitrag von

Heidrun Dörken,

Evangelische Pfarrerin, Senderbeauftragte für den Hessischen Rundfunk
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Bleib zuversichtlich! Bleib hoffnungsvoll! In diesem Advent schreibe ich das ans Ende von meinen Weihnachtskarten. Oder schließe eine E-Mail so. Ich höre das auch öfter: Bleiben Sie zuversichtlich!

Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni hat einen Wunsch

Zum Beispiel vom Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni. Seit Beginn der Pandemie verabschiedet er sich mit diesem Satz am Ende der Tagesthemen. Nach der Fülle der guten und schlechten Nachrichten tun mir als Zuschauerin diese Worte gut. Sie verbinden den Sprecher mit mir und mit denen, die darauf hoffen: Die Nöte, die viele jetzt haben, mögen bald vorbei sein.

Briefe sind die Medien der Antike

Bleibt hoffnungsvoll. Das ist seit biblischen Zeiten eine Botschaft in Sendungen. Damals nicht im Fernsehen oder Radio. Sondern im führenden Medium der Zeit, im Brief. Die ersten Generationen von Christinnen und Christen, Paulus, Petrus und noch andere, haben den Brief intensiv genutzt. Sie haben damit persönlichen Kontakt gehalten und ganze Gruppen erreicht. Die Leute in den ersten christlichen Gemeinden haben sich die Schreiben vorgelesen, abgeschrieben und weitererzählt.

Hoffnung kann man nicht befehlen

Ein Satz in diesen biblischen Briefen spricht mich besonders an. Weil er klar macht. Wenn ich jemandem Zuversicht und Hoffnung wünsche, ist das kein Befehl. Niemand kann Hoffnung anordnen. Nach dem Motto: Streng dich an, gib nicht auf! Als könnte man Zuversicht mit ein bisschen gutem Willen selbst herstellen. Damit legt man eine weitere Last auf Menschen.

Hoffnung ist ein Lebewesen

Im Satz aus der Bibel geht es um etwas anderes. Er stellt ein ungewohntes Bild vor Augen. Er sagt: Hoffnung ist ein Lebewesen. Wörtlich lautet der biblische Satz so: „Gott hat uns wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ (1. Petrus 1,3)

Im Kreißsaal

Ich stelle mir das so vor: Hoffnung wird geboren. In mir, so dass ich auch neu werde. Hoffnung kommt wie ein Kind zur Welt. Wie ein Wunder. Es heißt sogar: wiedergeboren. Wiedergeboren wird nur, was vorher gestorben war. Offenbar sprechen hier Menschen aus Erfahrung. Sie müssen erlebt haben, dass Hoffnung in ihnen gestorben ist. Und dann, vielleicht unter schmerzhaften Wehen, ist sie neu geworden. Neu geboren.  

Woher kommt Hoffnung?

Woher und wie? Das ist eben die Frage, woher kommt Hoffnung. Wo ist sie? Jemand, der nicht religiös ist, wird andere Antworten finden als die Christen, die diesen Satz überliefert haben. Sie waren überzeugt: Lebendige Hoffnung hat etwas mit Jesus Christus zu tun. Mit seinem Tod und seiner Auferstehung. Sie reicht tief hinein und trägt durch alles hindurch. Hoffnung verlässt auch dann nicht, wenn Schweres auf einen zukommt. Sie hat etwas mit der mütterlich-väterlichen Liebe Gottes zu tun, die die Treue hält, durch Dick und Dünn, Leben und Tod.

Mein Wunsch zu Weihnachten

Diese Hoffnung ist etwas anderes als eine Garantie oder Sicherheit. Ich kann sie nicht herstellen. Aber ich kann sie mir schenken lassen, sie empfangen, weitergeben und teilen. Ich hoffe, so verstehen diejenigen, denen ich Weihnachtskarten schicke, meinen Wunsch am Schluss. Es soll in dir zur Welt kommen, das Lebewesen Hoffnung. Also, bleib zuversichtlich!

Ingo Zamperoni über seinen Satz „Bleiben Sie zuversichtlich“: https://www.dwdl.de/interviews/77099/ingo_zamperoni_das_ist_alles_andere_als_routine/?utm_source=&utm_medium=&utm_campaign=&utm_term=

1. Petrusbrief 1, 3 ohne Kürzungen: Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

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