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Hinter allen Dingen ist Sehnsucht
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Hinter allen Dingen ist Sehnsucht

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Er nennt sich selber „weihnachtsverrückt“. So klingt es auch, was er einer Zeitung erzählt (stern.de): Im August fängt er schon an, alle Weihnachtsbäumchen in seiner Wohnung aufzustellen. Dieses Jahr sind es: 444; Weltrekord. Es glitzert und schimmert und blinkt in allen Ecken und Enden seiner Vier-Zimmer-Wohnung. Wenn Gäste das sehen, lächeln sie oder schauen verwirrt oder tippen sich schon mal heimlich an die Stirn.

Ich lächle auch, halte ihn aber nicht für verrückt. Er hat einfach nur Sehnsucht. Nach einem warmen Zuhause in der oft kalten Welt - voller Schrecken. Wie eine düstere Wolke liegt ja Corona gerade über allem. Und auch der Unfriede in manchen Häusern und Nachbarschaften ist schlimm. Da soll es wenigstens im eigenen Heim warm und gemütlich sein.

Hinter allen Dingen ist Sehnsucht. Sehnsucht nach einem Zuhause. Wo wir einfach sein dürfen, wie wir manchmal sind: ängstlich oder verschrocken. Wo wir nicht dauernd gemaßregelt oder verurteilt werden. Wir möchten uns zuhause fühlen an Weihnachten. Ob es nun in einem warmen Stall ist oder am Kamin. Hauptsache, es leuchtet ein wenig. Dafür strengen sich viele an, mit Recht. Machen wir es uns gemütlich, so gut es geht in diesen Tagen. Wir brauchen das. Und werden dann ein bisschen kräftiger. Die Schritte werden fester. Manchmal müssen wir der Sehnsucht folgen. Dahin, wo Gott auf uns wartet. Ihn freut es, wenn wir auch mal für uns selber sorgen.

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