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Nach den Morden in Hanau: Hass kommt nicht aus heiterem Himmel
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Nach den Morden in Hanau: Hass kommt nicht aus heiterem Himmel

Pia Baumann
Ein Beitrag von

Pia Baumann,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt-Bockenheim
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Viele in Hessen und in der ganzen Republik sind nach wie vor total erschüttert über das, was am Mittwochabend in Hanau passiert ist. Ein Mann hat mehrere, vor allem junge Menschen in zwei Shisha-Bars erschossen. Dann hat er seine Mutter und sich selbst getötet. Soweit wir bislang wissen, war der Täter  ein 43-jähriger Mann aus Hanau mit rechtsextremistischem Hintergrund. Die ersten Reaktionen waren Fassungslosigkeit und Entsetzen. Aber auch die Frage: Was können wir tun? Pfarrerin Pia Baumann aus Frankfurt findet: So ein Hass kommt nicht aus heiterem Himmel. Dazu ihr hr1 Zuspruch.

In meiner Straße in Frankfurt gibt es eine Shisha-Bar. Jeden Tag gehe ich dort vorbei. Der Laden ist immer voll. Da sitzen vor allem junge Leute. Männer und Frauen. Mit und ohne Migrationshintergrund.

Sie plaudern und lachen bei einem Kaltgetränk und einer Wasserpfeife. Wer Hunger hat, geht schnell zum Asia-Imbiss gegenüber oder holt sich bei dem Spanier nebenan ein paar Tapas. Gefühlt kommt hier die ganze Welt zusammen.

Der Täter auf die geschossen, die er für fremd hielt

Als ich gestern die Nachrichten von dem Attentat in Hanau gehört habe, habe ich sofort an die Bar in meiner Straße gedacht. In Hanau waren es genau solche Shisha-Bars, die der Täter attackiert hat. Und ich habe an die jungen Leute gedacht, bei mir in Frankfurt, die ich dort immer sehe. Es hätten auch sie sein können.

Der Täter hat geschossen aus Hass auf alle, die er für fremd hielt. Was für ein Albtraum.

Der Tat in Hanau gingen Worte voraus

Aber so ein Hass kommt nicht aus heiterem Himmel. Dieser Tat in Hanau gingen Worte voraus. Wir leben in einem Land, in dem Hetze gegen Muslime und Ausländer Wählerstimmen bringt.

Und rechtsextreme Politiker in Talkshows ihre menschenfeindlichen Ansichten verbreiten dürfen. Und alle hören ihnen zu, und viele hetzen selber kräftig in den sozialen Netzwerken. Denn das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Es bleibt nicht beim Sagen

Nur bleibt es dabei nicht. Beim Sagen. Denn Worte haben eine Wirkung. Sie können dazu führen, dass Menschen hassen und töten. So wie diese Woche in Hanau.

Zuerst war ich sprachlos, aber ich lasse mich nicht mundtot machen. Das hier ist mein Land. Mein Hessen. Meine Straße. Und dazu gehört auch die Shisha-Bar. Hass hat hier keinen Platz.

Warum jedes Zeichen der Anteilnahme hilft

Worte haben eine Wirkung. Und deshalb können Worte auch Gutes bewirken. Sie können Menschen helfen und sie beschützen. Darum sind die Kundgebungen und Mahnwachen so wichtig. Sie zeigen: Wir nehmen Anteil. Wir stehen zusammen.

Und für mich gehört auch Beten dazu. Ich bete für die Familien und Freunde der Getöteten. Für die Verletzten. Ich bete für die Menschen in Hanau. Und ich bete dafür, dass wir alle Worte finden, die Gutes bewirken.

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