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Geschwisterkonflikt

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Geschwisterkonflikt
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Geschwisterkonflikt

Christoph Wildfang
Ein Beitrag von

Christoph Wildfang,

Evangelischer Pfarrer, Arnoldshain
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Da haben sich zwei total entzweit. Zwei Brüder, auch noch Zwillinge. Der Eine hat den Anderen betrogen, erzählt die Bibel. Jakob heißt der, der betrogen und überlistet hat. Er hat die Mutter auf seiner Seite. Typ Mamasöhnchen, Stubenhocker. Der Andere heißt Esau und hat bei seinem Vater einen Stein im Brett. Jäger. Ein kantiger Kerl. Esau hat sich Rache geschworen.

Jahre vergehen. Die beiden Brüder haben nichts miteinander zu schaffen. Jakob ging auf Rat seiner Mutter ganz weit weg. Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn. Und dann kommt es eines Tages doch so, wie oft, wenn etwas lange ungeklärt ist, wenn im Streit der Hass und die Wut innerlich eingefroren sind: Es kommt zur Konfrontation. Esau zieht mit 400 Leuten aus, um es Jakob endlich heimzuzahlen. Jakob hat Angst. Er will wenigstens die Seinen schützen, Frau und Kinder. Er spürt die Schuld und seinen kommenden Untergang.

Dann treffen beide aufeinander. Jakob verbeugt sich sieben Mal vor seinem älteren Bruder Esau, vielleicht wirft er sich sogar sieben Mal vor ihn in den Staub. Und dann steht dieser Satz in der Bibel: Esau aber lief ihm entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küsste ihn, und sie weinten. (1. Mose 33,4)

Jakob hat Esau betrogen. Auch Geschwister  können sich entzweien. Tief verletzen. Gerade, weil sie sich so gut kennen. Aber die Liebe der Brüder zueinander konnte das offenbar nicht zerstören.

Für mich eine Geschichte von Versöhnung. Bei Jakob und Esau braucht es anscheinend auch nach Jahren des Konflikts nicht viele Worte über Vergangenes oder das Aufrechnen von Verletzungen und Kränkungen. Was zählt, ist die Freude im Heute. Die Freude über Vergebung. Die liebevolle Umarmung, ein Kuss, das Festhalten. Versöhnung und Vergebung. Freude darüber: Das ist über all die Jahrtausende hinweg bei Jakob und Esau zu spüren. Versöhnung kann gelingen.

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