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Ein Vatervorbild: Der heilige Josef

Ein Vatervorbild: Der heilige Josef

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Stellvertretender Pressesprecher des katholischen Bistums Mainz
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Von dem deutschen Dichter und Maler Wilhelm Busch ist ja so manche Lebensweisheit überliefert. Dazu gehört auch: „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“ Ich bin selber Vater zweier Kinder. Ich würde vielleicht nicht sagen: „Vater sein ist schwer“. Aber sicherlich: „Vater sein ist anspruchsvoll.“ Denn ich möchte meinen Kindern ein liebevoller Vater sein. Ich möchte sie zu selbstbewussten, höflichen Menschen erziehen. Und ihnen ein gutes Vorbild sein.

Im Advent muss ich an einen besonderen Vater denken, den von Weihnachten: Josef. Der Mann, der mit Maria verlobt ist. Und der in ganz besonderer Art und Weise erfahren hat, was Vater sein bedeuten kann. Ich habe mich schon öfter einmal gefragt: Was ist dieser Josef wohl für ein Mensch gewesen? Wie hat ihn Jesus als Kind wohl erlebt?

Ich stelle mir Josef ja eher als einen stillen Typen vor – kein einziges gesprochenes Wort ist vom ihm in der Bibel überliefert. Die Bibel charakterisiert ihn als gerecht, mehr sagt sie nicht. Für mich ist damit gemeint: Er war ein ziemlich anständiger junger Mann. Denn was für ein Schock muss das damals für Josef gewesen sein: Seine Verlobte Maria ist schwanger. Die Frau, in die er sich verliebt hat. Die Frau, mit der er noch nie alleine sein konnte, nicht mal eine Viertelstunde. Und ausgerechnet sie erwartet jetzt ein Kind von jemand anderen. Ich möchte nicht wissen, was da wohl für ein Kopfkino bei ihm abgelaufen ist. Aber Josef macht ihr keine Szene, will den öffentlichen Skandal vermeiden. Sich lieber in aller Stille von ihr trennen. Für seine Zeit eine ungewöhnliche Entscheidung. Hätte er es öffentlich gemacht, wäre das wohl das Ende für Maria gewesen.

Doch es geht noch weiter. Gott schickt ihm eine Botschaft: Heirate Maria, nimm Jesus an, als wäre er dein eigenes Kind. Kümmere dich um ihn. Josef akzeptiert diese Botschaft Gottes ohne zu Murren. Nimmt diese anspruchsvolle Vaterrolle an, die Gott ihm zumutet. Ich glaube, er hat nicht nur Gott, sondern auch seine Maria sehr geliebt. Sonst wäre er diesen Schritt nicht gegangen. Er ist für mich kein Weichei, der tumb nur das tut, was ihm befohlen wird. Denn er übernimmt Verantwortung. Er schützt seine Familie vor den Mördern des Herodes und flieht mit ihr nach Ägypten. Und später geht er mit Maria und Jesus nach Nazareth, damit Jesus in Ruhe aufwachsen kann. Gemeinsam kümmert er sich mit ihr um die Erziehung von Jesus. Was später aus ihm wird – davon erzählt die Bibel nichts.

Ich kenne viele Männer, die Väter sind. Ich weiß nicht, wer von ihnen zu dem bereit gewesen wäre, wozu Josef bereit gewesen ist. Auch von mir weiß ich es nicht. Josef ist ein Vater gewesen, der nicht gekniffen hat, als es für ihn anspruchsvoll wurde. Der für seine Frau und ein Kind eingestanden hat. Ohne Wenn und Aber. Deshalb ist er für mich ein Vorbild.

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