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Ehe ‒ Heilige Familie
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Ehe ‒ Heilige Familie

Karl Waldeck
Ein Beitrag von Karl Waldeck, Direktor Evangelische Akademie, Hofgeismar
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„Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“; so fragt der Beter des 8. Psalms Gott. Am kommenden Samstag beginnt das Weihnachtsfest. Es berichtet davon, wie Gott und Mensch so eng wie nie zuvor zusammenkommen. Was ist der Mensch? – „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“, heißt es auf den ersten Seiten der Bibel. Der Mensch mag allein zurechtkommen, auch allein sein Leben führen. Doch sehnt er sich zugleich nach Gemeinschaft, nach Zweisamkeit, nach einem Gegenüber. Der Prototyp dieser Gemeinschaft ist das erste Menschenpaar Adam und Eva. Es ist zugleich die erste Familie: zumindest von drei Söhnen Adam und Evas hören wir.

Der Mensch braucht ein Du; Einsamkeit wird – gerade zu Weihnachten, dem Familienfest schlechthin – als Mangel empfunden. Menschen werden ein Paar; sie werden Familie. So alt diese Formen sind, sie haben sich über die Jahrhunderte verändert: Von den Nomadenvätern der biblischen Zeit wird berichtet, dass sie mehrere Frauen hatten. Bei der Wahl hatte man auf die Familie Rücksicht zu nehmen. Liebe konnte wichtig sein, gab aber für die Ehe nicht unbedingt den Ausschlag. Der Fortbestand der Familie war das Entscheidende. In späteren biblischen Zeiten setzt sich die Einehe durch – ein Mann, eine Frau. So ist es auch bei der Familie der Fall, die uns zum Weihnachtsfest als „Heilige Familie“ begegnet: Maria, Josef und das Jesus-Kind. In gewisser Weise scheint hier das Ideal einer heilen bürgerlichen Ehe verwirklicht: Mann und Frau und – zunächst ‒ ein Kind.

Tatsächlich ist die Heilige Familie keine heile Familie. Maria wird schwanger, aber nicht von ihrem zukünftigen Mann Josef. Wen wundert’s, dass Josef das als große Kränkung empfindet! Er will sie verlassen – still und heimlich, ohne große Szene, was Maria aber trotzdem ins Unglück gestürzt hätte. Es bedarf erst eines Traumes, einer himmlischen Intervention, dass Josef zu seiner schwangeren Verlobten, die seine Frau wird, steht. Den Rest erzählt die Weihnachtsgeschichte: Das Paar macht sich auf den Weg nach Bethlehem, wo Maria unter widrigen Umständen ihr Kind Jesus gebiert. Schon kurze Zeit später muss die junge Familie vor den Nachstellungen des Herodes nach Ägypten fliehen. Eine Familie auf der Flucht vor staatlicher Gewalt. So war es am ersten Weihnachtsfest; so ist in vielen Teilen der Erde auch Weihnachten 2016.

Keine heile, aber eine Heilige Familie. Heilig ist sie, weil in ihr der Heiland der Welt, Jesus, zur Welt kommt. Gottes Sohn ist er, weil er lebt, was Gott vom und für den Menschen will: Liebe zu Gott und zu den Menschen. Liebe ist ein großes Wort; Liebe ist die Basis, als Familie zu Leben. Gottes Liebe macht den Menschen fähig zu Liebe. In der Geschichte der Heiligen Familie besteht Liebe in der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, für den anderen da zu sein. Auch ‒ und gerade so ist Weihnachten das Fest der Liebe. Was ist der Mensch? Eine Person, die von Gott geliebt ist, lieben kann und auf Liebe von anderen angewiesen ist!

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