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Das Tattoo als Erinnerung
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Das Tattoo als Erinnerung

Monika Dittmann
Ein Beitrag von

Monika Dittmann,

Katholische Seelsorgerin im Altenheim, Flörsheim am Main
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Freudenstrahlend ist er auf mich zugekommen, der frischgebackene junge Vater bei uns im Haus. Eine kleine Anna hat seine Frau zur Welt gebracht. Man sieht ihm den Stolz aus den Augen springen. Einige Tage später hat er bei mir geklingelt: „Schauen Sie mal!“ hat er gesagt und mir seinen rechten Arm hingehalten. Er hatte sich den Namen seiner neugeborenen Tochter auf den Unterarm tätowieren lassen. „Damit ich sie nie vergesse und immer an sie denke – auch auf der Arbeit und unterwegs“ hat er strahlend gesagt.

Für immer in meine Hand geschrieben

Und dann hat er mir erzählt, was er in den ersten Tagen mit Anna schon alles erlebt hat. Er hat sie genau beobachtet, hat ihr erstes Lächeln genossen und ihr auch die Windeln gewechselt. „Das gehört doch dazu“, sagt er mir. „Auch der Dreck und der Mief sind ein Stück von ihr.“

Ich musste lächeln beim Blick auf sein Tattoo und habe an ein Wort aus der Bibel gedacht.

Da heißt es von Gott: „Ich habe dich, Mensch, in meine Hand geschrieben. Du bist mein.“(Jesaja 49,16) Den Satz aus der Bibel kann ich jetzt noch besser verstehen, nachdem ich den stolzen Vater erlebt habe.

Er hält mich - dem Mief meiner Unzulänglichkeit zum Trotz

Gott ist auch stolz auf mich, er will mich nie vergessen. Auch zu meinem Mist steht er, auch um meine Entsorgungsprobleme kümmert er sich – denn das gibt es ja auch; nicht nur in Säuglingszeiten muss entsorgt werden. Auch als Erwachsene habe ich Dinge, die entsorgt werden müssen: Schuld, Misserfahrungen, Demütigungen und Scheitern. Da ist es gut zu wissen: Gott hat mich unwiderruflich in seine Hand geschrieben. Ich bin sein und er hat mich im Blick, will mich nicht vergessen. Vor allem: Er steht nicht nur zu mir, wenn alles klappt und das Leben froh und glücklich ist. Ihn stört es nicht, wenn ich Mist mache. Er hilft mir, rauszukommen aus dem Mief meiner Unzulänglichkeit.

Der Platz in seinem Herzen ist mir sicher

Ich freue mich, dass ich eingeschrieben bin in Gottes Hand, dass ich einen Platz an seinem Herzen habe und den nie verliere. In so manchem Moment meines Lebens habe ich mich bewusst daran erinnert, weil es mir gerade nicht so gut ging, weil ich mich verlassen fühlte, nicht weiterwusste. Ich habe dann gedacht: „Gut, Gott, dass du um mich bist. Gut, dass du mich nicht vergisst!“

Annas Papa, seine strahlenden Augen und sein Tattoo haben mir wieder einmal Gottes menschenfreundliche Seite bewusstgemacht.

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