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Das mach ich doch im Schlaf
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Das mach ich doch im Schlaf

Daniel Stehling
Ein Beitrag von

Daniel Stehling,

Pastoralreferent und Katholischer Religionslehrer, Fulda
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„Das mach ich doch im Schlaf!“ so die Antwort von Luca aus meiner 5. Klasse. Auf die Frage, ob die Aufgabe, die ich gestellt habe, klar sei. Und ich weiß sofort. Für Luca ist alles klar. Und während meine Schüler ihre Aufgabe bearbeiten, gerate ich ins Grübeln. Was gelingt mir wie im Schlaf? Was kann ich denn besonders gut? Einiges kommt mir in den Sinn. Zuhören können. Mit passenden Beispielen erklären. Oder vermitteln und Streit schlichten. Das kann ich wirklich im Schlaf. Und dann überlege ich, was ich eigentlich mache, wenn ich wirklich schlafe? Mich hin und her wälzen. Mich ausruhen und erholen. Hoffentlich nicht schnarchen. Vielleicht auch träumen. Das kommt mir spontan in den Sinn. Am Träumen allerdings bleibe ich hängen. Hat nicht Josef, der irdische Vater Jesu, auch geträumt? Und da meine Schüler noch arbeiten, schlage ich in der vor mir liegenden Bibel nach. Und wirklich. Im Matthäusevangelium begegnet Josef mehrmals im Traum einem Engel des Herrn. Jedes Mal übermittelt ihm der Engel Wichtiges von Gott: Dass Josef Maria zu seiner Frau nehmen soll und dass das Kind, das sie erwartet, vom Heiligen Geist ist (Mt 1,20). Und dass Josef mit Maria und dem Kind nach Ägypten fliehen und später wieder in die Heimat zurückkehren soll (Mt 2, 13. 19. 22). So ist der „Engel des Herrn“ ein Botschafter. Er bringt Josef im Traum in Verbindung mit Gott und seiner Botschaft. Für mich ein schöner Gedanke: Mit Gott in Verbindung kommen, nicht nur im alltäglichen hektischen Leben, sondern auch in meinen Träumen. Dann, wenn ich Ruhe und Erholung finde, nämlich im Schlaf. Mittlerweile sind meine Schüler mit ihrer Aufgabe fertig. Sie lesen ihre Lösungen vor und wir besprechen sie. Am Ende der Schulstunde wünsche ich meinen etwas verdutzt dreinschauenden Schülern, dass sie in ihrem Leben immer wieder Gott und seiner Botschaft begegnen mögen. Und dass sie zu dieser vielleicht nicht immer leichten Aufgabe sagen können: „Gott begegnen – das mach ich doch im Schlaf!“

 

 

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