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Auf den Armen eines Vaters
Helen Matos/Pixabay

Auf den Armen eines Vaters

Daniel Lenski
Ein Beitrag von

Daniel Lenski,

Evangelischer Pfarrer, Königstein-Falkenstein
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Wenn unser Sohn seine Arme ausstreckt, bedeutet das: Ich will getragen werden. Sprechen kann er mit gut einem Jahr noch nicht, aber seine Körpersprache ist eindeutig: hochgerissene Arme und erwartungsvolle Augen. In solchen Momenten ist er müde vom vielen Krabbeln oder hat keine Lust mehr, im Kinderwagen zu sitzen. Manchmal möchte er auch einfach einen besseren Überblick haben oder ein wenig die Nähe von uns Eltern spüren.

Mit dieser klassischen Erfahrung als Vater spricht mich ein Satz in der Bibel besonders an. Er stammt von Mose, der im Alter auf sein Leben zurückblickt. Mose sagt:

Da hast du gesehen, wie dich der Herr, dein Gott, getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt, auf dem ganzen Wege, den ihr gewandert seid … (5. Mose 1,31b)

Mose schaut zurück

Mose sagt das zu dem biblischen Volk Israel, das bereits viel erlebt und überstanden hat. In der Bibel steht: Gott hat sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Danach mussten die Israeliten 40 Jahre lang durch die Wüste wandern auf der Suche nach dem gelobten Land, das Gott ihnen verheißen hat. Nun sind sie kurz vor ihrem Ziel. Mose, ihr Anführer, hält an und blickt zurück. Er erinnert seine Mitwandernden daran, was sie alles mit Gottes Hilfe bewältigt haben. Schau, sagt Mose, Gott hat dich so getragen, wie ein Mann seinen Sohn trägt.

Ein starkes Bild: Gott trägt durch das Leben, auch durch die Wüstenzeiten. Gerade in den schwierigen Momenten brauche ich ja besonders jemanden, der an meiner Seite ist. Bei einem Kind sind das die Phasen, in denen die ersten Zähnchen kommen oder sich eine Erkältung bemerkbar macht. Wie gut, wenn Mama oder Papa dann da sind.

Ich bin getragen worden

Wenn ich auf mein Leben blicke, gibt es viele Momente, von denen ich heute sage: Was ein Glück, dass ich da nicht allein gewesen bin. Ich denke an Prüfungen, bei denen ich mich unsicher gefühlt habe. Oder an die Zeit, als eine Beziehung gescheitert ist. Ich wusste damals nicht, wie es weitergehen soll. Im Nachhinein merke ich: Da bin ich getragen worden.

Leider kommt dieses Gefühl, nicht alleine durch die Krise zu gehen, oft erst hinterher. Während einer Krise bin ich meistens gefangen in meinen Sorgen. Warum ist das passiert? Wie soll es weitergehen? Dann frage ich Gott: Wo bist du denn jetzt? Manchmal trägt Gott mich dann auf seinem Arm, ohne dass ich es merke. Da ruft auf einmal ein Freund an. Ihm kann ich erzählen, was mich bedrückt. Danach geht es mir schon besser. Oder ich bete abends. Auch da kann ich aussprechen, was mich beschäftigt. Manchmal zünde ich dann eine Kerze an und habe das Gefühl: Ich bin nicht allein. Ich kann mich getragen fühlen, wie auf einem starken Arm. Das gibt mir Kraft.

Wenn mein einjähriger Sohn die Arme ausstreckt, dann weiß ich: Für einen Moment möchte er jetzt hochgenommen werden. Ich nehme ihn auf den Arm und denke: Ich wünsche dir, mein Sohn, dass du ganz oft in deinem Leben sagen kannst: Da bin ich getragen worden. Da hat Gott mich getragen.

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