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Adam und Eva reloaded?
Foto: pixabay / geralt

Adam und Eva reloaded?

Ein Beitrag von

Helwig Wegner-Nord,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

Heute ist der Internationale Tag gegen den Rassismus. 1960 hat eben an einem 21. März im südafrikanischen Sharpeville ein blutiges Massaker stattgefunden: die Polizei schoss in eine Menschenmenge, die gewaltfrei gegen die Passgesetze der Apartheidspolitik demonstrieren wollte. Der 21. März in Sharpeville – das sind nicht nur 69 Tote und 300 Verletzte. Dieser Tag markiert auch die Wende in der Geschichte Südafrikas. Gut dreißig Jahre später war der politische Rassismus der Apartheid am Ende.

Aber Rassismus gibt es weiterhin. Weltweit. Rassismus ist die Ansicht, dass Menschen einer bestimmten Herkunft weniger wert sind als andere. Und dass darum ihre politische und soziale Unterdrückung gerechtfertigt ist. Solch ein Denken findet sich schon im Altertum. Der griechische Philosoph Platon etwa wollte wissen, dass die oft rothaarigen oder auch blonden Nachbarn im Norden Griechenlands verlogen, trinkfreudig und kriegerisch waren. Die Menschen mancher Völker schienen ihm nur als Sklaven zu taugen.

Immer wieder tauchen in der Kulturgeschichte der Menschheit solche Ansichten auf. Die Vereinten Nationen haben darum erklärt: „Alle Menschen gehören einer einzigen Art an und stammen von gemeinsamen Vorfahren ab. Sie sind gleich an Würde und Rechten geboren und bilden gemeinsam die Menschheit.“

Gemeinsame Vorfahren? Das klingt wie ein Verweis auf die biblische Schöpfungsgeschichte, die von den beiden ersten Menschen erzählt. Adam und Eva im Paradies – viele haben das lange Zeit als Märchen abgetan. Doch nun erweist sich der biblische Mythos als aussagekräftige Botschaft: Die Vereinten Nationen sprechen von den „gemeinsamen Vorfahren“ der gesamten Menschheit, weswegen – trotz aller Verschiedenheit – allen Menschen und allen Völkern die gleichen Rechte und die selben Fähigkeiten zugesprochen werden, sich sozial, kulturell und intellektuell zu entwickeln. Jeder Rassismus, also die Behauptung, dass bestimmte Völker oder Gruppen anderen überlegen sind, ist wissenschaftlich nicht zu begründen. Und ethisch erst recht zu verwerfen.

Der 21.März als Tag gegen den Rassismus ist darum so etwas wie ein Spiegel: Wie halte ich es mit denen, die anders sind als ich? Habe ich eine innere Rangordnung mit oberen und niederen Plätzen im Kopf? Oder sehe ich in anderen Menschen Verwandte der einen großen Menschenfamilie?

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