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Abstand halten – aber nicht ausweichen!
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Abstand halten – aber nicht ausweichen!

Prof. Dr. Markus Tomberg
Ein Beitrag von

Prof. Dr. Markus Tomberg,

Professor für Religionspädagogik, Fulda und Marburg
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Es sind Rituale geworden. So zuverlässig wie den Wetterbericht verkünden die Morgennachrichten die neuesten Fallzahlen zur Corona-Pandemie. Kanzlerin und Länderchefs treffen sich, mal von Angesicht zu Angesicht, mal per Videokonferenz, um über den Fortgang der Corona-Maßnahmen zu beraten. Sogar die Demonstrationen von Corona-Leugnern gehören fast schon dazu. Corona und kein Ende: wer mag davon noch hören. Wir tragen Masken, niesen und husten am besten überhaupt nicht und wenn, dann nur in die Armbeuge. Und wenn wir uns begegnen, dann halten wir Abstand, dann weichen wir am besten einfach aus.

Das klingt einfacher, als es ist. Täglich sterben viel zu viele an der Seuche; in Europa, so rechnete die Weltgesundheitsorganisation dieser Tage vor, stirbt im Schnitt alle 17 Sekunden ein Mensch. Davor lässt sich nicht so leicht ausweichen. Auszuhalten ist es auch kaum. Also doch: irgendwie weitermachen, Maske auf und durch.

Da kommt Müdigkeit auf. Überdruss. Jetzt ist es genug!

Jetzt ist es genug, oder genauer: "Ich habe genug": Eine bekannte Kantate von Johann Sebastian Bach heißt so. Und in der geht es um etwas, was so gar nicht in diese Corona-Zeit passen will: um eine Begegnung. Die Geschichte dazu steht in der Bibel: Simeon, ein alter Mann, trifft auf Jesus, kurz nach dessen Geburt. "Jetzt ist es genug", soll Simeon daraufhin gesagt haben: Jetzt kann ich in Frieden sterben. Denn ich habe gesehen, was ich mein Leben lang ersehnt habe. Simeon ist lebenssatt und glücklich. Danach verliert sich seine Spur.

Für die Corona-Müden heute hat die kurze Geschichte gleich mehrere Botschaften. Die erste: Es kann lange dauern. Simeon ist alt. Und, wirklich, fast am Ende seiner Hoffnung.

Die zweite Botschaft: Dem Tod ist nicht zu entgehen. Der Ewigkeitssonntag, den die evangelischen Kirchen morgen begehen, erinnert unerbittlich daran.

Und eine dritte: Begegnungen schenken Lebenssinn. Am Ende wird es gut!

Und deshalb gilt auch in Corona-Zeiten: Begegnen wir einander. Halten wir Abstand. Aber weichen wir uns bitte nicht aus.

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