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Alt werden
Bild: pexels / Karolina Grabowska

Alt werden

Dr. Burkhard Freiherr von Dörnberg
Ein Beitrag von Dr. Burkhard Freiherr von Dörnberg, Dekan, Evangelischer Kirchenkreis Marburg
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Meine Tochter, zwölf Jahre alt, ist mit mir im Auto unterwegs.

Eine Gelegenheit, um mal in Ruhe von Tochter zu Vater zu sprechen.

Sie sagt: „Papa, Mann, boa, wie alt ich schon bin!“

„Du? Alt?“

„Ja, guck mal: Die Eiskönigin ist schon vor zehn Jahren in die Kinos gekommen. Vor zehn Jahren!“

„Oh ja, das ist schon etwas her.“ Sage ich etwas abwesend und überlege, wann meine Tochter den Film eigentlich gesehen hat?

Die 12-jährige Tochter fühlt sich alt

„Ja, ich bin voll alt!“

Ich schaue meine Tochter von der Seite an. So alt sieht sie wirklich nicht aus. Bei „alt“ hätte ich eher an die Kategorie Oma und Opa gedacht. So wie beim Gottesdienst im Seniorenheim letzten Sonntag. Oder an meine Rückenschmerzen beim Aufstehen morgens.

Meine Tochter fängt derweil an zu singen, eins der Lieder aus der Eiskönigin, von Walt Disney aus dem Jahr 2013. Ich hake nach:

„Ok. Und wie geht es dir damit so alt zu sein?“ Ich bin gespannt, wie jemand so Junges auf das Alter blickt. „Ich meine: Ist das schlimm, alt zu sein?“

Aber alt werden findet sie kein Problem

Da lacht sie fröhlich:

„Aber nein, ich hab‘ schon so viel in meinem Leben gemacht und so viel erlebt und hatte so viel Spaß! Da ist alt werden kein Problem!“

Jetzt muss ich doch lachen. Diese weise alte Dame neben mir im Körper einer 12-Jährigen. Was hat die für eine schöne Sicht auf das Leben!

Gott hat es gut mit mir gemeint!

Und dann schiebt sie noch ganz lebensklug hinterher: „Tja, Papa, Gott hat es halt gut mit mir gemeint!“

O ja, denke ich. Und mit mir auch. Und ich nehme mir fest vor, mir diese Weisheit gut zu merken. Hoffentlich bis ich so wie sie sagen würde „so richtig voll alt“ bin.

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