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Paradiesische Zeiten?
Bild: Mabel Amber

Paradiesische Zeiten?

Steffen Flicker
Ein Beitrag von Steffen Flicker, Schulleiter der katholischen Schule Marianum Fulda und Vorsitzender des Katholikenrates im Bistum Fulda
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„Le paradis est maintenant“ – „Der Himmel ist jetzt!“ Diesen Ausspruch las ich kürzlich auf einer Heckscheibe eines Autos. In leuchtend schönen Farben war dieser Slogan zu lesen. „Der Himmel auf Erden?“, schoss es mir sofort durch den Kopf. Ja, für manche Menschen gibt es nur das Hier und Jetzt. Für mich als Christ gibt es allerdings die Perspektive des Lebens nach dem Tod. Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das Leben in Gottes Herrlichkeit – nach dem irdischen Leben.
In mittelalterlichen Fresken und anderen künstlerischen Darstellungen wird oft das Paradies visualisiert. Meist ist es ein herrlicher Ort, in dem es den ganzen Tag Sonnenschein gibt. Schlaraffenland lässt grüßen. Also alles „Friede, Freude, Eierkuchen“?

Das Paradies als Ort oder doch als Zustand?

Jedenfalls hat die Vorstellung des Paradieses immer schon die Menschheit beschäftigt. Und es ist eine Frage, die jedes Kind stellt: „Wie sieht es im Himmel aus?“ In früheren Zeiten gab es bei Kirchengebäuden eine Art Vorbau – quasi ein Gebäude vor der Eingangstür der Kirche. Diesen Bau nannte man Paradies. Das Paradies also als eine Art Vorbau? Wie auch immer man sich das Paradies vorstellt, offensichtlich ist es eine überwiegend positive Perspektive. Auch die Werbung arbeitet ja mit diesem Begriff, um bestimmte Produkte in ein positives Licht zu rücken. Da ist die Rede von der „paradiesischen Reise“ oder „Urlaub wie im Paradies“ oder „Schöner als im Paradies“.

„Le paradis est maintenant“ – „Ist der Himmel schon auf Erden erfahrbar und erlebbar?“ Und was ist der Himmel überhaupt? Wie wird es dort zugehen? Ohne die Perspektive auf ein ewiges Leben ist natürlich der Himmel schon jetzt. Dann könnte man sich in die sprichwörtliche oder sogar gegenständliche Hängematte legen, den Tag genießen und das Nichtstun auskosten. Sicher keine schlechte Idee. Aber dann ist auch mit dem Tod alles zu Ende. Das kann dazu führen, dass ich mich in diesem Leben beeilen muss, möglichst viel und möglichst Außergewöhnliches zu erleben. Weil danach ja nichts mehr kommt. Immer höher, weiter und größer. Das kann mich schlimmstenfalls sogar überfordern, sodass von einem Genuss und von einer Lebensfreude nicht mehr viel übrig bleibt.

Als Christ glaube ich an ein Leben bei Gott. Ob das im Paradies stattfindet oder wie man den Ort sonst nennt, ist fraglich. Aber es ist das auf Gott aufgebaute Vertrauen auf ein Leben bei ihm. In diesem Glauben lebe ich mein Leben und weiß mich verbunden mit Gott.

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