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Der Friedensreiter
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Der Friedensreiter

Sabine Müller-Langsdorf
Ein Beitrag von Sabine Müller-Langsdorf, Evangelische Pfarrerin, Zentrum Oekumene, Frankfurt
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Zwischen Münster und Osnabrück liegen mehr als fünfzig Kilometer Weg. Eine Strecke, die man nicht einfach mal kurz läuft. Vor 400 Jahren fanden in beiden Städten Verhandlungen statt, um einen Krieg zu beenden.

Drei Verhandlungsjahre für den Frieden

Der 30-jährige Krieg brauchte drei Verhandlungsjahre an zwei auseinander gelegenen Orten, um zu einem Ende zu kommen. Die verfeindeten Parteien konnten es nicht in einem Raum zusammen aushalten. So brachte ein „Friedensreiter“ Botschaften und Verhandlungsergebnisse zwischen den Städten hin und her.

Ein Radweg zwischen Münster und Osnabrück erinenrt an den Weg des Friedensreiter

Heute erinnert ein Radweg zwischen Münster und Osnabrück an die Arbeit des Friedensreiters. Ich bin diesen Weg geradelt und habe mir vorgestellt, was der Friedensreiter damals auf seinem Weg wohl gesehen hat: Ausgeplünderte Landstriche, verarmte Menschen mit Angst vor den Soldaten. Sicher war der Friedensreiter wahrscheinlich nicht auf seinem Weg. Ich denke mir: Dieser Friedensreiter muss beiden Parteien gegenüber loyal gewesen sein und klug.

Heutzutage sind Unterhändler und Übermittler in Sachen Frieden unterwegs

Mich hat er fasziniert. Heute würde man ihn wohl einen sicheren Übermittler oder einen Unterhändler nennen. Ein Mensch, der von allen akzeptiert wird. Er muss das Vertrauen der unterschiedlichsten Gruppen besitzen. Inhaltlich greift er nicht in Verhandlungen ein, er sichert allein den Austausch von Informationen. Der Friedensreiter im 30jährigen Krieg bereitete mit seinem Ritt zwischen zwei Städten im wahrsten Sinne des Wortes dem Frieden den Weg. Transportiert Verständnis und Verständigung, bereitet direkte Begegnung vor.

Ich denke an Kriegsorte heute. In der Ukraine und Russland, in Israel und Palästina sind auch Friedensreiter unterwegs. Inmitten aller Waffen und Gefechte verfolgen sie nur ein Ziel: verbindliche Absprachen, die alle unterschiedlichen Interessen berücksichtigen. Regelungen, mit denen alle Beteiligten ihr Gesicht wahren können. Keine leichte Sache.

Es braucht viel Geduld und Hartnäckigkeit, um zu einem Frieden zu kommen

Der Westfälische Friede nach dem 30jährigen Krieg ist deshalb bis heute berühmt, weil alle beteiligten Gruppen gleichberechtigt waren. Und der Friedensschluss setzte auf ein für alle verbindliches Recht. Denke ich an heutige Zerwürfnisse zwischen Staaten und Parteiungen, dann ahne ich, wie viel Geduld und Hartnäckigkeit es braucht, um zu einem solchen Frieden zu kommen. Auf meiner Radtour halte ich inne, und bete für die Friedensreiter der Gegenwart. Und für ein Ende der Kriege.

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