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Was zählt?
Pixabay/Silvia

Was zählt?

Sabine Müller-Langsdorf
Ein Beitrag von Sabine Müller-Langsdorf, Evangelische Pfarrerin, Zentrum Oekumene, Frankfurt
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Anderthalb Jahresgehälter sind in Deutschland aktuell etwa 40.000 Euro Netto. Im Durchschnitt. Damit ließe sich einiges anfangen: ein neues Auto kaufen, ein großes Fest in feinem Ambiente feiern, das Geld mit Aktien oder Gold wachsen lassen, eine Traumreise machen.

Eineinhalbjahresgehälter für ein Salböl

Die Bibel erzählt die Geschichte einer Frau, die eineinhalb Jahresgehälter dazu verwendete, ein kostbares Öl zu kaufen, um es dann - kurz gesagt -  Jesus über den Kopf zu schütten. Ich finde die Geschichte immer wieder ungeheuerlich Was treibt die Frau zu so einer verrückten Aktion? Was ist ihr 40.000 Euro wert?

Heiliges Nardenöl für Jesus

Jesus war auf dem Weg nach Jerusalem. Er wusste: Sein Ende steht bevor. Er kehrte mit seinen Freundinnen und Freunden ein. Als alle beisammensitzen, kommt eine Frau hinzu. Sie tritt zu Jesus, holt ein kleines Alabastergefäß aus ihrer Tasche. Darin ist kostbares unverfälschtes Nardenöl. In der Antike war dieses Öl heilig. Es hatte die weite Reise aus dem Himalaya, dem „Sitz der Götter“, hinter sich. War den Königen zur Weihe und den Priestern zur Salbung vorbehalten. Wo die Frau es herhatte, wissen wir nicht. Sie zerbricht das Alabastergefäß und salbt mit dem kostbaren Öl Jesu Haupt.

Jesus erteilt seinen Freundinnen und Freunden eine Abfuhr

Die Aufregung in der Runde ist groß: Was soll das? Nardenöl, so was Teures! Mit dem Geld hätte man anderes kaufen können. Die Armen speisen können, den Obdachlosen helfen. Und überhaupt: was bildet diese Frau sich ein, hier in die Runde zu platzen. Jesu Jünger regen sich auf. Und bekommen von Jesus eine Abfuhrt erteilt. Schroff sagt Jesus: „Arme habt ihr allezeit bei euch. Ihr könnt ihnen Gutes tun. Macht es halt. Mich habt ihr nur jetzt mitten unter euch. Die Frau hier hat ein gutes Werk an mir getan. Sie hat getan, was sie konnte.“

"Sie hat getan, was sie konnte..."

„Sie hat getan, was sie konnte“…wie schön. Würde ich dem innerlich doch öfter folgen. Tun, was ich kann. Für mich selbst. Und gegenüber anderen Menschen. Das Beste wollen, achtsam und umsichtig sein. Tun, was ich kann.

Und: Wie wertvoll muss dieser Frau Jesus gewesen sein. All ihre Bewunderung, Zuneigung und Liebe zu Jesus steckt sie in ein Fläschlein Öl. Und vergießt es. Eine Liebesgeschichte, die mich rührt. Ich ahne, was zählt: die Liebe.

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