Ihr Suchbegriff
Beitrag anhören:
Benutzen Sie Sonnencreme!
Bild: Sammy_Sander_pixabay

Benutzen Sie Sonnencreme!

Eva Reuter
Ein Beitrag von Eva Reuter, Katholische Pastoralreferentin, Betriebsseelsorge im Bistum Mainz / Regionalstelle Rheinhessen
Beitrag anhören:

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Absolventen des Abschlussjahrgangs 1997!
Vergessen Sie nie Sonnencreme!“ Mich bringt dieser Satz immer zum Schmunzeln – und auch ein bisschen zum Nachdenken. Denn der Text geht noch weiter: Es ist eine Kolumne von Mary Schmich, die in der Chicago-Tribune erschienen ist. Heute, am Tag der Sonnencreme, musste ich an diesen Text denken, der erst viral durchs Internet ging und dann von Baz Luhrmann vertont wurde.

Was würde sie in einer Abschlussrede im College sagen?

Mary Schmich hat in ihrer Kolumne überlegt, was sie sagen würde, wenn sie eine Abschlussrede an einem College halten dürfte. Ihr sind eine ganze Reihe guter und gut gemeinter Ratschläge an die College-Absolventinnen und -Absolventen eingefallen. Dabei wechseln sich lebenspraktische Banalitäten mit philosophischeren Ansätzen ab. Nichts davon ist falsch: Es ist gesund, Zahnseide zu benutzen, und sicher teilen viele Ältere die Erfahrung, dass nur wenige gute Freunde ein Leben lang bleiben. Und auch Sonnencreme zu benutzen, ist sicher eine gute Idee.

Viele Menschen wünschen sich eine Gelinggarantie

Diese hypothetische Rede bedient die Sehnsucht nach einem Rezept zum Glücklichsein. Viele Menschen wünschen sich eine Gelinggarantie für das Leben. Diese Sehnsucht ist stark, und so gibt es tausende Ratgeber aus der Abteilung „Lebenshilfe“.

Es ist jedem selbst überlassen, ob er einen guten Rat beherzigt

Ein bisschen fühle ich mich auch ertappt: Gebe ich den Hörerinnen und Hörern nicht auch oft kluge Ratschläge in meinem Zuspruch? Ohne zu wissen, ob sie jemand gerade gebrauchen kann. Aber schon die Weisen in biblischer Zeit haben gewusst: „Ein Narr hält alles, was er tut für richtig; Weise hören auf klugen Rat.“ (Spr 12, 15 – Übersetzung Hoffnung für alle). Vielleicht nützen solche Lebensweisheiten ja doch. Sie geben Wissen und Erfahrungen einer Generation an eine andere weiter – und ob jemand sie beherzigt, ist ihm oder ihr ja selbst überlassen.

Keiner von uns ist allwissend

Ich denke: Keiner von uns hat uneingeschränktes Wissen und Erfahrung. Wir brauchen Hinweise von anderen. Sie können uns Einsichten vermitteln oder uns Alternativen aufzeigen, die wir sonst nicht bemerkt hätten.

Thesen von Glücksforschern decken sich mit christlichen Regeln

Der christliche Glaube hält viele Lebensweisheiten bereit. Sie können dabei helfen, ein zufriedenes oder sogar glückliches Leben zu führen. Zentrale Thesen von Glücksforschern decken sich interessanterweise mit christlichen Lebensregeln!

Das raten Coaches ebenso wie Seelsorgerinnen

Hab Hoffnung! Oder: Sei freundlich zu deinen Mitmenschen! Solche Tipps gibt’s in der Bibel wie in heutigen Glücks-Büchern. Außerdem noch: Vergib deinen Mitmenschen immer und immer wieder! Oder: Sei dankbar für das, was du hast! Das rät ein Coach ebenso wie eine Seelsorgerin. Es gibt Untersuchungen, dass Gesellschaften dann glücklicher sind, wenn sie gerecht organisiert sind. Und die Kirchen treten bis heute für soziale Gerechtigkeit ein.

Es macht Sinn, von anderen zu lernen

Es ist also durchaus sinnvoll, ab und zu auf die Lebenserfahrungen und Ratschläge anderer Menschen zu hören und so vielleicht schneller zu einer guten Lösung zu kommen. Insofern sind die Ratschläge bei der imaginären Abschlussrede doch einen Gedanken wert.

Gut überlegen, auf welchen Ratschlag wir hören

Ich höre den Song mit den Tipps zu Sonnencreme und Co. heute mit einem Schmunzeln noch einmal ganz an, denn am Ende heißt es: „Achten Sie genau darauf, auf wessen Ratschlag Sie etwas geben wollen, aber seien Sie geduldig mit denen, die ihn geben. Und glauben Sie mir: Das mit der Sonnencreme stimmt!“

Weitere ThemenDas könnte Sie auch interessieren