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Blüten im Winter
Bild: Pixabay / scym

Blüten im Winter

Gabriele Heppe-Knoche
Ein Beitrag von Gabriele Heppe-Knoche, Evangelische Pfarrerin, Kassel
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Es ist kurz nach Weihnachten, da entdecke ich im Garten die ersten Winterlinge. Und einige Zeit danach öffnen sich am winterblühenden Jasmin die ersten gelben Blüten. An grauen, kalten Tagen ist es eine Freude sie anzusehen. 

Warum blühen Pflanzen in der Wachstumspause?

Die Natur bringt mich immer wieder zum Staunen. Wie kann das sein, dass Pflanzen gerade in der Wachstumspause blühen? - dann, wenn die Sonne nur selten und wenn dann nur wenige Stunden am Tag scheint? Allen Widrigkeiten des Winters zum Trotz! Während dagegen bei mir die Lebensenergie deutlich zurückgeht, je kürzer und dunkler die Tage sind. 

Sie nutzen die Vorteile der Winterzeit

Pflanzen, die im Winter blühen, nutzen für sich die Vorteile, die ihnen die Winterzeit bietet. Oft wachsen sie wie Schneeglöckchen oder Winterlinge unter Gebüschen oder Bäumen. Die haben jetzt im Februar noch keine Blätter und so dringt mehr Sonnenlicht zu ihnen an den Boden. Außerdem gibt es in der Gunst der Insekten für die Bestäubung noch keine große Konkurrenz wie etwa im Frühling, wenn auf einmal alles blüht. Natürlich können die Winterblüher nicht wählerisch sein. Sie sind pragmatisch. Ob Hummel, Käfer oder sonst ein Insekt – alle sind willkommen. Und wenn es richtig frostig wird, haben sie sogar noch innere Kräfte, um nicht zu Schaden zu kommen. Statt Glukose produzieren sie Glycerin. Damit machen sie sich weniger angreifbar für Kälte und Frost. Sie nutzen die Vorteile und machen das Beste daraus. 

Was wir von diesen Pflanzen lernen können

Davon können wir lernen. Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Römer: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“. (Römer 8, 28) Das drückt für mich genau das aus, was ich an den Winterlingen beobachte. 
Jeder Mensch kann in Situationen geraten, die schwierig sind. Das kann vieles sein: gesundheitliche Einschränkungen, belastende Beziehungen oder auch Stress an der Arbeit. Da fällt es schwer, heiter und beschwingt zu leben. Aber es gibt Menschen, die verlieren auch in solchen Lebenslagen nicht den Mut und die Lebensfreude. Sie lassen sich nicht unterkriegen. Oft gehen sie unbeschadet, ja manchmal sogar gestärkt aus solchen Lebensphasen hervor. Sie können das anscheinend: sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. 

Sich alle Dinge zum Besten dienen lassen

Sich alle Dinge zum Besten dienen lassen, das kann heißen: Auch in schwierigen Lagen den Glauben nicht zu verlieren, Ausschau halten nach positiven Lichtblicken, nach hilfreichen Erfahrungen und sich davon bestärken lassen. Und seien sie auch noch so klein und alltäglich. Nicht nur auf den großen Befreiungsschlag warten. Nach Menschen Ausschau halten, die mich unterstützen und auch Hilfe annehmen. Dankbar sein für alles, was sich bietet und selbst tun, was möglich ist. Die Hoffnung niemals aufgeben. Und die inneren Kräfte mobilisieren. So wie die Winterlinge im Februar.
 

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