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Was wiegen Wolken?
pixabay/Susanne

Was wiegen Wolken?

Ingo Schütz
Ein Beitrag von Ingo Schütz, Evangelischer Pfarrer, Oberursel-Bommersheim
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Manchmal ist alles grau und schwer. Gerade in diesen Novembertagen. Dann laufe ich mit vielen Lasten durch die Gegend. Ich fühle mich bedrückt und schaue auf den Boden vor mir. Was kann mir jetzt Kraft geben?

Schwere Wolken am grauen Himmel

Ein Blick nach oben in den Himmel bietet mir eine Antwort. Dort sehe ich Wolken. Die sind auch grau. Und schwer! Tatsächlich, wenn man ihr Gewicht berechnet, zeigt sich, dass Wolken richtig viel wiegen. Sie tragen Lasten von vielen Tonnen Wasser, also viele tausend Kilogramm. Obwohl sie nur aus winzig kleinen Wassertröpfchen bestehen. Eine durchschnittliche Schönwetterwolke von der Größe hundert mal hundert Meter ist bis zu zehn Tonnen schwer, eine größere Regenwolke bringt ein Vielfaches auf die Waage. Trotzdem fallen sie nicht vom Himmel. Sie schweben und erscheinen vom Boden aus betrachtet leicht. Was gibt den Wolken die Kraft zu fliegen?

Die Geheimnisse der Physik

Mein Freund ist Physik-Professor und hat es mir erklärt. Mit leichten Worten, damit auch ich es verstehe. Er sagt: Das erste Geheimnis ist: Die Wassertröpfchen in der Wolke sind so klein, dass sie von der Luft leicht bewegt und aufgewirbelt werden können. Wenn sie sich zusammenballen zu einem großen Tropfen, fällt der natürlich herunter und es regnet. Solange aber alle kleinen Tröpfchen getrennt bleiben, können sie schweben, jedes für sich.

Das zweite Geheimnis: In der Wolke ist alles in Bewegung. Wenn sie stillstehen würde, müsste auch die Wolke mit ihrem Gewicht vom Himmel fallen. Aber ihr Inneres ist dynamisch, Aufwinde tragen die Tröpfchen immer von Neuem in die Höhe und sorgen dafür, dass die Wolke nicht absinkt.

Von den Wolken lernen

Ich gestehe: Ich habe nicht alles verstanden. Aber ich ahne: Es ist eine ganz faszinierende Energie, die den Wolken innewohnt und die sie am Himmel hält, trotz ihrer Last. Ob das auch für mich und meine Lasten gelten kann? Ich glaube: Ja. Wenn ich verhindern kann, dass sich Sorgen und Probleme zusammenballen zu einem großen Komplex, dann bleibt jede Herausforderung für sich gesehen leicht. Ich muss mich von ihr nicht zu Boden drücken zu lassen. Von den Wolken lerne ich:  Es ist gut für Bewegung im Inneren zu sorgen. Vielleicht, indem ich die Probleme mit anderen teile. Oder indem ich mich damit im Gebet an Gott wende. Dann spüre auch ich eine Dynamik, einen Aufwind, der mich nach oben bringt.

Kein Zweifel: Die Sorgen und Nöte, die ich und andere Menschen haben, sind bedrückend. Sie haben ihr eigenes Gewicht. Aber es gibt eine Kraft die Schweres so leicht machen kann, dass es schwebt.

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