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Nicht mehr genug im Tank - Jacinda Ardern
picture alliance / EPA | BEN MCKAY

Nicht mehr genug im Tank - Jacinda Ardern

Andrea Seeger
Ein Beitrag von Andrea Seeger, Evangelische Theologin und Redakteurin im Evangelischen Medienhaus
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Jacinda Ardern und ihr Partner Clarke Gayford verlassen Arm in Arm die Pressekonferenz. Die neuseeländische Ministerpräsidentin hat am Donnerstag ihren Rücktritt zum 7. Februar 2023 angekündigt. Nicht wegen eines Skandals. Die 42-Jährige sagt: Ihr geht die Kraft für dieses Amt aus. Das zeugt von einem hohen Maß an Verantwortungsgefühl, findet unsere Autorin Andrea Seeger.

Bereits in zweieinhalb Wochen, am 7. Februar, wird sie ihr Amt aufgeben, sagt Jacinda Ardern  auf einer Presskonferenz und kämpft mit den Tränen. Die Ministerpräsidentin von Neuseeland begründet das so: "Ich weiß, was man für diesen Job braucht, und ich weiß, dass ich nicht mehr genug im Tank habe."

Und sie brauchte viel im Tank für diesen Job als Regierungschefin von Neuseeland. Mit 37 Jahren kam sie ins Amt, jetzt ist sie 42. Während ihrer Amtszeit wurde sie Mutter.

Erinnerung an die Attentate in Christchurch

Bekannt in aller Welt wurde sie durch die Attentate von Christchurch. Ein Rechtsextremist hatte im März 2019 in zwei Moscheen 51 Muslime erschossen.

Ardern reiste sofort an, zeigte ein hohes Maß an Empathie im Umgang mit den Überlebenden und den Angehörigen der Todesopfer. Entschlossen änderte sie kurz danach die Waffengesetze.

"Wir alle geben, solange wir geben können"

Es folgten ein Vulkanausbruch und Corona. Auch hier bewies sie Mitgefühl und Entschlossenheit. Verantwortung tragen, sich kümmern, Entscheidungen für andere treffen, das kostet Kraft.

Ardern sagt dazu: "Wir alle geben, solange wir geben können, und dann ist es vorbei. Und für mich ist es nun an der Zeit."

"Alles hat seine Zeit" ist ein wichtiger Satz in der Bibel (Kohelet 3). Und es stimmt ja. Das Leben teilt sich in Abschnitte. Ein Abschnitt geht zu Ende, ein anderer beginnt.

Wann ist die Zeit gekommen, aufzuhören und etwas Anderes zu machen?

Nur: Wie finde ich heraus, wann genau das ist? Wann ist die Zeit gekommen, etwas Anderes zu machen, egal, ob in Beruf oder Privatleben?

Oder um mit Jacinda Ardern zu sprechen: Woran merke ich, dass mein Tank nahezu leer ist? Vielleicht hilft es, in sich hineinzuhorchen und sich selbst die Frage zu stellen: Wieviel ist noch in meinem Tank? Lege ich kraftvoll los oder schleppe ich mich eher dahin?

Auftanken

Und wenn das so ist: Was kann für mich eine Tankstelle sein? Ich zum Beispiel tanke auf beim Wandern, im Gottesdienst, beim Zusammensein mit Freunden, beim Reisen.

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