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Leben ohne Tod
Bild: pixabay

Leben ohne Tod

Judith Vonderau
Ein Beitrag von Judith Vonderau, Autorin bei "kirche im hr", Bad Orb

(Sprecher: Tobias Stübing, Redakteur / Bistum Fulda)

Kleine Kinder haben noch keine Vorstellung vom Tod. In ihrer Welt gibt es Tod und Sterben schlichtweg einfach nicht. Und wenn Erwachsene versuchen zu erklären, was es mit dem Friedhof und den Gräbern auf sich hat, dann stoßen sie schnell an ihre Grenzen. Das kann im wahrsten Wortsinn "sprachlos" machen.

Beim Thema Tod und Streben brauchen wir Worte. Wir brauchen die Sprache zum Erklären. Und manchmal reicht auch die Sprache nicht aus. Z. B. wenn das Kind noch zu klein ist. Wenn es noch gar keine Vorstellung vom Tod hat, kann ich noch so viel erklären und mache ihm doch nichts verständlich.

Kleine Kinder leben im Hier und Jetzt

Kleinen Kindern fehlt hier eindeutig was. Aber das muss nicht unbedingt schlecht sein, denn genau um dieses Fehlen und das Unverständnis beneide ich sie manchmal. In der Welt kleiner Kinder ist das Leben ewig. Der Tod, der so vielen Erwachsenen Angst macht, kann ihnen keine Angst machen.

Im Gegensatz dazu erlebe ich oft, wie Erwachsene sich um die Zukunft sorgen: Da muss es nicht mal um Sterben und Tod selbst gehen, sondern auch um andere Dinge: um Geld, das fehlt; um Krankheiten, die sie bekommen könnten; um Pläne, die scheitern könnten oder Status, der nicht ausreichend da ist.

Auszeit von eigenen Gedanken

Diese Sorgen und Ängste können durchaus berechtigt sein. Und gerade dann, wenn sie mich so sehr beschäftigen und viel Raum in meinem Leben einnehmen, hilft mir ein Blick auf die kleinen Kinder. Dann hilft es mir, mir eine Auszeit von meinen Erwachsenen-Gedanken zu nehmen und für eine kurze Zeit so ganz im Hier und Jetzt zu leben wie diese kleinen Kinder. Es entlastet mich, eine Pause zu machen von meinen Sorgen und in dieser Zeit so zu leben, als gäbe es all das Beängstigende dieser Welt gar nicht.

In der Bibel ist so eine Auszeit von den Sorgen viel mehr als eine kurze Pause – es ist eine Lebenseinstellung. Denn Jesus sagt im Matthäusevangelium: "Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen." (MT 18,3)

Diese negative Formulierung klingt ein bisschen nach einer Drohung – dabei geht es doch um etwas Positives! Es geht um einen Tipp, wie Leben gelingen kann. Die Kinder setzen diesen Tipp automatisch um – und die Erwachsenen können viel von ihnen lernen.

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