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Einverstanden mit dem Leben
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Einverstanden mit dem Leben

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Erst sehe ich sie gar nicht. Ich sitze in der Straßenbahn und träume vor mich hin. Sie sieht mich schon länger. Als ich aufsehe, schaut sie mich an. Die junge Frau hat das Down Syndrom. Sie lacht und zwinkert mir zu. Ich zwinkere zurück. So machen wir das ein paar Mal. Freuen uns an uns selbst. Dann steigt sie aus. Geht an mir vorbei und sagt: Tschüss, ich bin Helena. Ich sage ihr meinen Namen und winke kurz. Dann ist sie weg.

Zwei sehen sich an und freuen sich

Ich liebe so etwas. Zwei sehen sich an und freuen sich. Über sich oder über das Leben, das Wetter. Zwei sehen sich und sind kurz einverstanden mit dem Leben, wie es ist. Ein Glück ist das. Man streitet nicht und ist nicht grimmig, sondern schaut wie ein Mensch. Wie Gott uns gedacht hat - und wie wir auch sind: Egal ob groß oder klein, gesund oder krank, alt oder jung. Einfach einverstanden sein mit dem, was ist. Es gibt dann keine Unterschiede, nur ein Wesen. Wir sind bedürftig nach Zuwendung - nach Freundlichkeit zueinander.

Freundlich sein geht immer

Wer weiß, wo Helena jetzt ist, frage ich mich auf dem Rest der Fahrt. Geht sie einkaufen? Oder zum Frisör? Ist vielleicht ihre Arbeitsstelle in der Nähe? Ich habe ihr Gesicht noch immer vor Augen. Sie ist anders als ich und doch das gleiche Kind Gottes. Bedürftig nach Zuwendung. Zum Glück hat sie angefangen mit Zwinkern und Lächeln. Sie hat mir etwas beigebracht: Freundlich sein geht immer. Und tut nur gut. Man ist dann mal kurz einverstanden mit dem Leben.

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