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Die Fülle des Lebens
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Die Fülle des Lebens

Judith Vonderau
Ein Beitrag von Judith Vonderau, Autorin bei "kirche im hr", Bad Orb
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„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben."

Dieser Satz aus dem Johannesevangelium beeindruckt mich. Jesus selbst soll ihn gesagt haben. Was er sagt, klingt ein bisschen merkwürdig, schwer verständlich und so gar nicht alltagstauglich. Das Leben in Fülle - das ist kein geläufiger Ausdruck. Aber ich glaube, es ist ein Ausdruck, bei dem es sich lohnt, genauer hinzuschauen, was dahinter steckt und gemeint sein kann.

Ein gefülltes Leben kennen viele Menschen: Beruf, Familie, Hobbys, Hausarbeit, Termine, Dinge erledigen - oft gibt es viel zu tun und die 24 Stunden des Tages scheinen einfach nicht auszureichen. Der Tag ist schnell gefüllt mit allen möglichen Aufgaben. So lässt sich nicht nur ein Tag füllen, sondern auch eine ganze Woche, mehrere Monate - ja, und am Ende sogar das ganze Leben.

Ein prall gefüllter Alltag, ständig beschäftigt sein und viel erledigen. Produktivität kann gut und hilfreich sein. Sie kann Menschen weit bringen und hat sicher ihre Vorteile. Trotzdem habe ich meine Zweifel, ob es wirklich das ist, was im Johannesevangelium mit "Leben in Fülle" gemeint sein kann. Denn es gibt noch eine andere Art von Fülle. Dabei geht es nicht darum, etwas zu füllen, also gefüllt zu sein, wie zum Beispiel ein Glas, das mit Wasser gefüllt wird. Sondern es geht um das Erfüllt-Sein. Wenn ich erfüllt bin, dann bin ich auch gefüllt, aber auf eine ganz andere Art. Dann stehen nicht einfach tausend Dinge in meinem Terminkalender, die zu erledigen sind. Dann geht es nicht um Quantität, sondern Qualität. Erfüllt bin ich dann, wenn es in meinem Leben Dinge gibt, die es qualitätvoller machen. Wenn ich ausgefüllt bin mit sinnstiftenden Aufgaben. Wenn ich das gefunden habe, wofür ich lebe.

Während der Pandemie haben einige Menschen das Gegenteil vom gefüllten Alltag erlebt. Vielleicht ist da auch Sinnstiftendes und Lebenssinn weggebrochen. Gleichzeitig bieten diese leeren Zeiten auch immer eine Chance. Diese Zeiten sind nicht nur einfach leer. Nein, sie sind auch freie Zeiten. Frei für mich, um mich zu fragen, was denn meinem Leben Fülle gibt. Sie sind eine Einladung, dem Sinn meines Lebens auf die Spur zu kommen.

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