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Reformatorische Erkenntnis auf einem Örtchen
GettyImages/Michal Stipek

Reformatorische Erkenntnis auf einem Örtchen

Dr. Fabian Vogt
Ein Beitrag von Dr. Fabian Vogt, Evangelischer Pfarrer in der Öffentlichkeitsarbeit, Darmstadt

Moderator/in: Der Reformationstag erinnert an den Tag, an dem der Reformator Martin Luther 1517 ein Plakat mit 95 kirchenkritische Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt haben soll.

Glaube kann frei machen von Ängsten

Weil er überzeugt war: Glaube macht Menschen frei – und diese Erfahrung fehlte ihm in der damaligen Kirche. Daraus entwickelte sich dann die Evangelische Kirche. Fabian Vogt, du bist Pfarrer der Evangelischen Kirche. Wie ist denn Luther auf seine Erkenntnis von der Freiheit gekommen?

Fabian Vogt: Die Frage hat ihn mit Leib und Seele beschäftigt. Deshalb ist es mehr als ein Fun-Fact, dass ihm seine wichtigste theologische Erkenntnis auf dem Klo gekommen ist. Hat er später mal erzählt. Wirklich! Dazu muss man wissen: Luther hat zeitlebens an schwerer Verstopfung gelitten. Das heißt, er hatte nicht nur viel Zeit zum Nachdenken.

Leib und Seele gehören zusammen

Es war auch klar: Wenn Luther von "Erlösung" spricht, dann hat das für ihn eine körperliche Komponente. Luther war überzeugt: So wie der Körper Erlösung erfahren kann, kann auch die Seele Erlösung erfahren. Und damit meinte er: Ein Mensch kann alles loslassen, was ihm Angst macht oder ihn unter Druck setzt. Darum war ja eines seiner Lieblingsworte "Freiheit". Endlich frei sein.

Moderator/in:Und woran machte Luther diese Freiheit fest?

Fabian Vogt: Luther hat im Grunde schon vor 500 Jahren die Frage gestellt: Bin ich gut genug? Und die Angst, nicht gut genug zu sein, hat ihn lange unter Druck gesetzt. Bis er verstanden hat: Gott muss ich nichts beweisen. Der liebt mich, wie ich bin. Und wenn ich weiß, dass Gott mich liebt, dann bin ich auch nicht mehr komplett von der Anerkennung anderer abhängig. Das alles klingt morgen mit am Reformationstag. Ich finde: Das ist ein Grund zum Feiern.

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