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Heute mal nichts tun
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Heute mal nichts tun

Steffen Jahn
Ein Beitrag von Steffen Jahn, Referent für Weltkirche, Bischöfliches Generalvikariat Fulda
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Moderator/in: Sind Sie gerade beim Arbeiten, während Sie uns zuhören? Knapp 1/5 aller Beschäftigten arbeiten laut Statistischem Bundesamt (Handelsblatt, 6.12.20) mindestens einen Sonntag im Monat. Für alle anderen Hessen dürfte der heutige Sonntag hoffentlich ein freier Tag sein. Da fällt es durchaus schon mal schwer, sich zu motivieren. Steffen Jahn von der Katholischen Kirche findet das vollkommen okay. Du sagst, heute ist genau der richtige Tag, um mal nichts zu tun!

Richtig. Mal so gar nichts tun. Den ganzen Tag. „Der perfekte Moment - wird heute verpennt!“ So wie Max Raabe in seinem gleichnamigen Song singt. Das klingt doch nach einem guten Plan für so einen Sonntag im Januar, oder?

Der Sonntag gilt ja auch in der Bibel schon als Ruhetag. Aber hast du dabei kein schlechtes Gewissen beim "Nichtstun"? Da bleibt ja bestimmt auch einiges unerledigt.

Das ist wahrscheinlich bei den meisten von uns so. Trotzdem ist es wichtig, mal zur Ruhe zu kommen. Martin Luther schrieb zum Beispiel 1530 einen Brief in seinen Freund Philipp Melanchthon. Er machte sich Sorgen um ihn, denn der war nämlich ziemlich überarbeitet und lebte nur noch zwischen Sitzungen, Verhandlungen und seinem Schreibtisch. Luther mahnt ihn: "Man dient Gott auch durch Nichtstun, ja durch keine Sache mehr als durch Nichtstun."

Das hört sich ja fast an wie eine Anweisung zum Ausruhen und Erholen.

So würde ich das auch verstehen. Im Buch Genesis heißt es zum Beispiel: "Am siebten Tag ruhte Gott, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte. Und er segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig." Gott segnet also gerade diesen Tag, an dem er sich ausruht. Das hat mich total beeindruckt. Nicht das Werk an sich ist heilig – sondern erst im Ruhen Gottes kommt die Schöpfung zur Vollendung.

Für mich heißt das: Ich muss kein schlechtes Gewissen beim Nichtstun haben! Gott sei Dank!

 

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