Ihr Suchbegriff
Beitrag anhören:
Kann ich das Klima retten?
GettyImages/RossHelen

Kann ich das Klima retten?

Ein Beitrag von Mirjam Jekel, Evangelische Theologin, Rüsselsheim
Beitrag anhören:

Umweltbewusst leben ist manchmal einfach und schön. Und manchmal ist es verdammt anstrengend. Aber vor allem: Egal was ich tue, es ist nicht genug.

Wasser sparen, mit den Öffis fahren, aber inkonsequent

Natürlich habe ich aufgehört, den Rasen zu wässern. Und ich fahre viel Bahn. Zum Glück lebe ich an einem Ort mit guter Anbindung. Aber wenn es sehr kompliziert wird, wohin zu kommen, nehme ich doch das Auto. Ich bin also inkonsequent. Und das an vielen Stellen. Manchmal habe ich einfach nicht die Energie, das zu tun, was eigentlich richtig wäre. Und manchmal geht mir die Motivation verloren.

Täglich mit dem Privatjet unterwegs

Warum soll ich mich einschränken, wenn andere es nicht tun? Warum soll ich auf Reisen verzichten, wenn irgendein Millionär mit seinem Privatjet mehrmals am Tag von Frankreich nach Italien fliegt? Wenn in anderen Teilen der Welt immer noch Kohlekraftwerke eröffnet werden und Abwässer ungeklärt in Flüsse geleitet werden. Mein Einfluss ist viel zu gering. Was bringt es also?

Kann nur Gott fürs Klima sorgen?

Darüber kam ich bei einem Bier mit einem Herrn ins Gespräch. Der meinte: Es sei überheblich zu glauben, wir Menschen könnten das Klima derart beeinflussen. Nur Gott könne das! Ich habe ihm widersprochen. Das ist nicht mein Verständnis vom christlichen Glauben.

Sucht das Gute, tut nicht das Böse

Da spielt meine eigene Verantwortung durchaus eine Rolle, auch in kleinen Dingen. Immerhin fordern viele Stellen der Bibel auf, bestimmte Dinge zu tun: Sucht das Gute, nicht das Böse! Wandelt im Licht! Wenn die eigene Verantwortung, die eigene Entscheidung keine Rolle spielen würde, könnte man gut auf solche Sätze verzichten. Aber sie stehen da.

Aus der Verantwortung kommen wir nicht raus

Ich habe also die Freiheit, mich zu entscheiden, wie ich mich verhalten will. Und damit habe ich auch Verantwortung für meine Entscheidung. Ich kann mich nicht einfach zurücklehnen und sagen, Gott wird das schon richten mit dem Klima. Nein, aus der Nummer komme ich nicht raus. Menschen haben die Klimakrise verursacht, und wir müssen uns anstrengen, ihre Folgen so gering wie möglich zu halten. Davon bin ich überzeugt.  

Ich bin nicht allmächtig

Allerdings ist diese Verantwortung begrenzt. Das ist die andere Seite der biblischen Botschaft, wie ich sie verstehe. Denn am Ende hält Gott die Welt in der Hand. Ich kann durch mein Handeln einen Beitrag leisten. Aber die ganze Welt retten kann ich nicht. Anders gesagt: Ja, ich habe meine Verantwortung. Aber zu glauben, dass mein eigenes Handeln die ganze Welt verdammen oder retten kann – das wäre dann doch überheblich.

Manches liegt in meiner Hand - aber nicht alles

Ob ich meinen Gesprächspartner überzeugt habe, weiß ich nicht. Immerhin habe ich ihm zugehört und er mir. Auch, als ich gesagt habe: Ich werde weiter versuchen, so umweltbewusst zu leben wie möglich. Werde weiter Wasser sparen, Energie, weniger Plastik kaufen. So gut ich kann. Und wissen: Der Rest liegt nicht in meiner Hand.

Weitere ThemenDas könnte Sie auch interessieren