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Die beste Version von dir
Bild: pixabay

Die beste Version von dir

Dr. Marco Bonacker
Ein Beitrag von Dr. Marco Bonacker, Leiter Bildung und Kultur
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Neulich fuhr ich mit dem Auto an einer sehr eindrücklichen Werbung für ein Fitnessstudio vorbei. Die Botschaft auf dem Plakat lautete: „Mach die beste Version aus Dir.“ Nun ist Sport wahrlich nicht zu verachten und sogar dringend nötig, wenn man wieder mal 9 Stunden am Schreibtisch saß. Aber ich bezweifle doch stark, dass allein der Besuch dieses Fitnessstudios aus mir die beste Version machen würde. Weder dieses noch alle anderen Fitnessstudios würden das überhaupt schaffen, weil rein körperliche Fitness noch kein Zweck an sich im Leben sein kann.

Du kannst es besser

Aber spannend ist das Plakat auf jeden Fall, denn es zeigt, dass Fitnessstudios sich offensichtlich etwas trauen, was die Kirche ein wenig verlernt hat: Während die Botschaft der Kirche heute eher lautet „hey, Gott liebt dich so wie Du bist und bleib auch so wie du bist“ wird hier eine Forderung nach Veränderung laut: „Beweg Dich, mach was aus Dir, du kannst es besser.“ Und viele Leute sind vom Anspruch, etwas aus sich zu machen, durchaus motiviert: Die Fitnessstudios jedenfalls boomen. Man kann also nicht behaupten, dass Menschen so anspruchslos wären, nicht mehr aus sich rausholen zu wollen. Dazu nehmen sie auch einiges auf sich. Sie quälen sich zum Erfolg, zu mehr Fitness, zu mehr Muskeln und investieren eine Menge Zeit. Die Menschen wissen, dass Veränderung Opfer bedeutet und vor allem eine klare Entscheidung.

Selbstoptimierung heißt Wagnis

In den Bibeltexten zum heutigen Tag stellt uns Jesus in aller Kürze sein Programm vor, das ungleich mehr Konsequenz und Opferbereitschaft fordert: „Wenn einer mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“ (Mk 16, 24-26)

In dieser Perspektive würde ich sagen: Die beste Version unseres selbst ist dann erreicht, wenn wir Jesus Christus nachfolgen. Diese Nachfolge ist immer auch Umkehr, Selbstverleugnung, Kreuz und Opfer. Aber anscheinend der einzige Weg zur besten, nämlich erlösten Version unserer selbst. 

Was diese Botschaft mit der Werbung für das Fitnessstudio verbindet, ist also die Aufforderung, dass eben nicht alles so bleiben soll, wie es ist. Vielmehr sollen wir uns verbessern, sollen wir Christus nachfolgen, sollen wir unser Leben so führen, dass wir in seiner Nachfolge uns selbst verlieren, um uns wirklich zu finden.

Fitnessstudio vs. Glaube

Der Unterschied ist aber: Im Fitnessstudio kommt es allein auf unsere Fähigkeiten und auf unseren Willen an. Hier haben wir eigentlich alles selbst in der Hand. Das ist einerseits übersichtlich und verlockend, reduziert uns aber auch auf Körperlichkeit und gnadenlose Funktionalität.

Dem Christentum aber geht es um den ganzen Menschen, die ganze Person. Dazu gehört der Körper wie der Geist. Die Erlösung, um die es Jesus Christus geht, betrifft eben den ganzen Menschen. Wir sind deswegen weder reine Geistwesen noch eine rein biologische Maschine, wir sind als Gottes Ebenbild immer mehr als das.

Und der entscheidende Unterschied ist, dass wir es nicht allein schaffen müssen, dass wir die beste Version von uns nicht allein machen müssen. Vielmehr dürfen wir hoffen auf die Gnade Gottes, die unserer Berufung und jeder unserer Handlungen vorausgeht.

Ich glaube also, dass wir jeweils die beste Version unseres selbst erreichen können, – aber nie allein, sondern nur mit Gottes Hilfe.

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