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Post-Holiday-Syndrom und die Suche nach Erfüllung
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Post-Holiday-Syndrom und die Suche nach Erfüllung

Dr. Marco Bonacker
Ein Beitrag von Dr. Marco Bonacker, Leiter Bildung und Kultur
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„Ich glaube ich hab ein Post-Holiday-Syndrom!“, sagte mir ein gestresster Kollege flapsig, der gerade aus dem Urlaub zurückgekommen war. Den Begriff hatte ich vorher noch nie gehört und ich musste ihn erst mal nachschlagen. Aber jeder, der etwas nostalgisch veranlagt ist, wird den Begriff auch so schnell nachvollziehen können. Nach traumhaften Urlaubswochen fällt es vielen schwer, wieder in den Alltag zurückzufinden bzw. man denkt wehmütig an die viel zu schnell vergangene Zeit zurück. Meist verfliegt das Gefühl schnell wieder und der Alltag hat einen wieder.

Jetzt sind die meisten wieder zurück aus den Sommerferien, die ja besonders in Hessen recht spät waren und tauschen sich aus über die Menge der E-Mails, die einen am ersten Tag an der Arbeit erschlagen hat und wie schnell man schon wieder urlaubsreif ist.

Wehmut und der Lauf der Zeit

Diese Wehmut, die einen im Rückblick auf den Urlaub ereilen kann, die kenne ich auch aus anderen Kontexten. Zum Beispiel als wir zuletzt den dritten Geburtstag unserer Tochter feierten. Wie schnell sind diese drei Jahre vergangen und was ist alles an Wachstum und Entwicklung gewesen. Wo ist eigentlich diese Zeit hin?

Was sagt uns das eigentlich aus theologischer Sicht, wenn wir so wehmütig zurückschauen. Zum einen verrät es uns etwas Grundlegendes über unser Menschsein: Unser Leben ist einmalig, jede Sekunde unseres Lebens ist unwiederholbar und deswegen so kostbar. Es zeigt sich daran noch mal unsere Aufgabe als Mensch, dankbar die Zeit, die uns von Gott gegeben ist, anzunehmen und zu gestalten. Diese Erkenntnis hält uns an, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen und uns nicht in vorletzten Unwichtigkeiten zu verlieren.

Die Endlichkeit des Lebens

Es zeigt aber auch, dass viele Menschen mit der Endlichkeit des Lebens und der Sterblichkeit so ihre Probleme haben. Gerade diese Endlichkeit des Menschen ist ja ein Grundthema des Christentums, das darauf eine geniale Antwort gibt: Ja, das zeitliche Leben ist endlich, aber dieses Leben ist eben nicht alles. Alles was wir sind, erlebt, erlitten und genossen haben, ist nach dem irdischen Leben nicht einfach vorbei, sondern hat einen ewigen Wert. Der Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, macht uns in seiner Auferstehung deutlich, dass der Tod, der uns so bedrückt, nicht das Ende sein muss.

Von Endlichkeit zu Ewigkeit

Er ist vielmehr Wende zu einem neuen Leben in Gottes Ewigkeit. Alle Worte und Bilder müssen mit Blick auf die Ewigkeit fast scheitern. Was uns erwartet und was die Ewigkeit so genau ist, das ist nicht einfach auszudrücken und zu erklären. Theologie, Literatur und Kunst sind voller Bilder dafür, die aber doch alle nur an der wirklichen Wahrheit kratzen, ohne ihr ganz nahezukommen. Das eindrücklichste Bild ist vielleicht das, was uns in Jesus Christus als Sohn Gottes überliefert ist: Wir kehren zurück nach Hause, in die Geborgenheit des Vaters, der uns mit offenen Armen empfängt. Ewigkeit ist Heimkommen und das ist eine schöne, beruhigende Vorstellung.

Die Wehmut nach dem Urlaub oder in der Rückschau auf vergangene Highlights unseres Lebens ist daher nicht einfach nur Nostalgie oder rückwärtsgewandt. Sie verrät vielmehr den Hunger auf mehr, den inneren und teilweise unausgesprochenen Wunsch nach Erfüllung und nach Ewigkeit.

Und genau das will Gott uns doch geben: Die Erfüllung unseres Lebens ist in ihm zu suchen und wird durch ihn erfahrbar.

Nichts anderes will das christliche Leben in Gebet, in den Sakramenten und im tätigen christlichen Handeln verdeutlichen und vorbereiten: Diesen liebenden, erfüllenden Gott schon jetzt anfanghaft kennenlernen. Damit wir uns an das ewige Leben schon ein wenig gewöhnen dürfen.

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