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Wunder gibt es immer wieder
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Wunder gibt es immer wieder

Dr. Marco Bonacker
Ein Beitrag von Dr. Marco Bonacker, Leiter Bildung und Kultur
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Wunder gibt es immer wieder
 

Glauben Sie eigentlich an Wunder? Haben Sie vielleicht selbst schon mal eins erlebt? Heute, am Tag des Heiligen Januarius, steht ganz Neapel – wie jedes Jahr – kopf und wartet auf ein Wunder. Gennaro, wie er im Italienischen heißt, war Bischof von Neapel. Um 305 während der Christenverfolgung hat er sein Martyrium erlitten und eine Blutreliquie hinterlassen. Das getrocknete Blut verflüssigt sich regelmäßig an seinen Gedenktagen. So auch heute. Hoffentlich. Denn bleibt das Wunder aus, gilt das als schlechtes Omen.

Was könnte man als moderner, aufgeklärter Mensch alles über dieses Blutwunder sagen? Ist das alles nicht bitterer Aberglaube?

Die Mehrheit der Deutschen glaubt nicht an Wunder

Die Mehrheit der Deutschen sagt jedenfalls heute: Nein, an Wunder glaube ich nicht. Auf die Frage, ob Gott heute noch Wunder vollbringt, antworteten in einer aktuellen Umfrage aber immerhin 30 Prozent der Befragten noch mit: Ja. Ein nicht geringer Wert, wenn man bedenkt, dass unsere Welt seit der Aufklärung und im Zeitalter der empirischen Wissenschaften eigentlich „entzaubert“ ist, um es mit dem Soziologen Max Weber zu sagen. Das Leben in der entzauberten Welt verläuft in den Bahnen der berechenbaren Naturgesetze, der Logik von Messbarkeit und Überprüfbarkeit. Da bleibt eigentlich kein Platz für gottgewirkte Wunder. Und doch ist der Glaube an Gott immer auch verbunden mit der Vorstellung, dass dieser personale Gott doch eingreift. Dass er handelt und am Leben von uns Menschen ganz aktiv teilhat.

Die Logik durchbrechen

In der Geschichte zwischen Gott und den Menschen, wie das Christentum es mir jedenfalls vermittelt, ist ja gerade das Durchbrechen jeglicher alltäglichen Logik und jeder Erwartbarkeit an der Tagesordnung. Das eigentliche Wunder beginnt ja schon da, wo Gott sich den Menschen zuwendet, wo er Mensch wird und schließlich dort, wo er heilt und rettet. Und nicht zuletzt vollzieht sich diese wundersame Beziehung zwischen Gott und den Menschen, dieser Einbruch der Ewigkeit in meine Zeit, in jedem Sakrament und vor allem in der Eucharistie.

Gott – nur eine fromme Randerscheinung?

Ein Christentum, dass das Wirken Gottes nur als Chiffre oder als Symbol versteht, traut Gott nichts mehr zu. Dieses Christentum wird zu einem Glauben, in dem der Mensch selbst als einzig Handelnder in den Vordergrund tritt und in dem Gott mehr und mehr zu einer nur frommen Randerscheinung wird. Es mündet im bekannten Gebet: „Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen.“ Dieses eigentlich berührende Gebet lässt mich immer wieder stolpern und antworten: Also wenn ein Gott jemals Hände und Füße hatte und heute auch noch hat, dann doch der, der in Jesus Christus Mensch geworden ist. Sicher, Gott will auch das wir handeln. Der Glaube an ihn und seine vorausgehende Gnade sollen uns so durchdringen, dass wir bessere Menschen werden und besser handeln – am Nächsten, an uns selbst, an der Schöpfung. Doch was für eine Überforderung wäre es, wenn nur alles von mir abhinge.

Der Glaube an Wunder lohnt sich

Ich bin der Kirche dankbar, dass sie am Glauben an Wunder festhält, – wie die Menschen es in Neapel tun - und Wunder sogar als Voraussetzung benennt, um einen Menschen heilig zu sprechen. Gegen jeden Trend der Trennung von Zeit und Ewigkeit bleibt die Kirche dabei, dass Gott Wirklichkeit ist, dass er mit uns verbunden sein will und nicht zuletzt, dass er handelt. Und das geht ohne Wunder gar nicht. Gott ist so groß, dass er nicht vollends in unsere Logik passen kann. Auch das drückt der Glaube an Wunder aus: Seien Sie also realistisch – glauben Sie an Wunder, – denn die gibt es wirklich immer wieder.  

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