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Siebenschläfer
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Siebenschläfer

Dr. Marco Bonacker
Ein Beitrag von Dr. Marco Bonacker, Leiter Bildung und Kultur
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Haben Sie heute ausgeschlafen? Ich weiß, eine gewagte Frage, denn schließlich ist es gerade halb sieben Uhr morgens. Aber vielleicht gehören Sie ja zu den glücklichen Menschen, denen fünf oder sechs Stunden Schlaf ausreichen. Oder noch besser: Sie schaffen es weit vor Mitternacht ins Bett zu gehen?! Schlaf ist gerade auch mein Thema, denn vor wenigen Monaten bin ich zum zweiten Mal Vater geworden. Wie so vielen jungen Eltern fehlt mir und meiner Frau vor allem eines: Schlaf. Er ist zu einem kostbaren Gut geworden und vor allem am Stück ist er selten. Heute, am Siebenschläfer-Tag, denke ich besonders daran, wie beneidenswert für mich all jene gerade sind, die selbst bestimmen können, wie lange sie schlafen.  

Der heutige Tag erinnert eigentlich nicht an das kleine, possierliche Tierchen, das durch seinen langen Winterschlaf als Siebenschläfer bezeichnet wird. Tatsächlich erinnert der Siebenschläfertag an sieben christliche junge Männer, die auf der Flucht vor Glaubensverfolgung in einer Höhle Schutz finden und dort ihre eigene Verfolgung verschlafen. Den seinen gibt es der Herr eben im Schlaf. 

Legende mit wahrem Kern

Es gibt von dieser Heiligenlegende verschiedene Fassungen, aber die wesentliche Rahmenhandlung ist klar und hat sicher auch einen historischen Kern: Während der Christenverfolgung unter Kaiser Decius um das Jahr 250 reist dieser nach Ephesus. Dort wollte er den heidnischen Göttern opfern. Gleichzeitig wollte er den von ihm ins Werk gesetzten Kampf gegen das Christentum überwachen. Es kommt zu zahlreichen Hinrichtungen von Menschen, die den antiken Göttern nicht opfern wollen, sondern am Bekenntnis zum Christentum festhalten. Die sieben jungen Männer, von denen eben die Rede war, wollen sich der Verfolgung entziehen und verstecken sich in einer Höhle in einem nahe gelegenen Berg. Um genug zu essen zu haben, schicken sie einen von ihnen verkleidet in die Stadt, der aber nicht genug Nahrungsmittel auftreiben kann. Voller Sorge und nach dem Ende ihrer Vorräte legen die sieben jungen Männer ihre Seele in Gottes Hand und schlafen ein. Decius zwingt die Väter der Jungs das Versteck zu verraten, was sie unter Folter auch tun. Davon ausgehend, dass die Jünglinge noch leben, lässt Decius den Eingang zur Höhle mit schweren Steinen verschließen, um sie lebendig zu begraben. Gott aber lässt sie nicht sterben, sondern ihre eigene Verfolgung auf wundersame Weise verschlafen. Erst nach 200 Jahren, so die Legende, wachen Sie auf und bezeugen Gottes Macht und Barmherzigkeit, bevor sie endgültig und friedlich entschlafen.

Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit

Die Legende war im ersten Jahrtausend weit verbreitet und fand sogar ihren Weg in den Koran. Im christlichen Kontext steht die Legende für den Glauben an die Auferstehung, das ewige Leben, die Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit und hier vor allem die Rettung aus schier ausweglosen Situationen; selbst dann, wenn einem der Kaiser persönlich auf den Versen ist. Deswegen darf man annehmen, es gibt tatsächlich einen historischen Kern der Legende, der nah an der Realität ist. Zudem ist die historische Verortung in die Zeit der kaiserlichen Christenverfolgung und auch nach Ephesus, das heute in der Türkei liegt, sehr konkret. Noch heute können Besucher sich dort auf die Spuren dieser Legende machen und finden die Höhle und die Ruine der Kirche, die Kaiser Theodosius errichten ließ, als er Zeuge des Wunders um die sieben Schläfer geworden war. 

Guter Schlaf

Wenn ich heute Morgen noch ganz müde von der kurzen Nacht und ein schreiendes Kind auf dem Arm, an die Siebenschläfer denke, dann gerade auch vor dem Hintergrund, dass ich selten zuvor in meinem Leben einen guten Schlaf so geschätzt habe wie heute. Aber meine Frau und ich brauchen in diesen Tagen vielleicht kein Wunder und auch keine Höhle, in die wir uns zurückziehen, sondern Geduld und das Wissen, das auch das nur eine Phase ist. Und noch dazu - trotz des Schlafmangels - eine sehr schöne! 

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