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Aufstand
Bild: succo auf pixabay

Aufstand

Eva Reuter
Ein Beitrag von Eva Reuter, Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz
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Heute ist der 17. Juni – das war bis 1990 der Nationalfeiertag in der Bundesrepublik Deutschland, und viele Menschen erinnern sich noch daran. Wahrscheinlich erinnern sich auch noch einige, was am 17. Juni gefeiert wurde: Der 17. Juni war damals in Westdeutschland der „Tag der deutschen Einheit“.

Er erinnerte an die Ereignisse vom 17. Juni 1953: Nachdem erst in Ost-Berlin die Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter wegen höherer Arbeitsbelastung bei weniger Lohn gestreikt hatten, kam es dann am 17. Juni zum Volksaufstand in über 700 Städten und Gemeinden der DDR. Über eine Million Deutsche demonstrierten für demokratische Rechte und Freiheit. Das sowjetische Militär hat damals die Erhebung blutig niedergeschlagen: Tausende wurden verhaftet, mindestens 50 Mensch starben, und mindestens 18 Todesurteile wurden verhängt.

Deutschland wurde wiedervereinigt

Viele Menschen in Westdeutschland sahen damals die Bedeutung des Aufstands gegen den Sozialismus und für die Demokratie und wollten den Einsatz der Demonstrierenden würdigen. Ein Jahr später, 1954, wurde der 17. Juni zum ersten Mal in West-Deutschland als Nationalfeiertag begangen.

Über 36 Jahre später, im Herbst 1989, waren es wieder tausende Menschen in der DDR, die auf die Straße gingen und für Freiheit und Demokratie aufstanden, wieder unter großer Gefahr. Aber diesmal rollten keine Panzer, fast wie durch ein Wunder blieb alles friedlich. Und sie konnten das SED-Regime stürzen, Deutschland wurde schließlich wiedervereinigt.

Ein Grund zu feiern!

Den „Tag der deutschen Einheit“ feiern wir jetzt am 3. Oktober, dem Tag, an dem mit einem Vertrag festgeschrieben wurde, dass von jetzt an die Menschen in Ost- und Westdeutschland in Freiheit leben können. Alle dürfen sagen, was sie denken und alle dürfen reisen wohin sie möchten. Das ist doch wirklich ein Grund zu feiern!

Feiern und Gedenken an die Opfer gehört für mich zusammen: Ich bin dankbar, dass ich in einem freien und demokratischen Land leben darf und denke heute an alle Menschen, die sich in ihrem Land unter Lebensgefahr für Freiheit und Demokratie einsetzen. Die friedlich mit Kerzen demonstrieren – und ja auch an die, die keine andere Möglichkeit sehen, als sich mit Waffengewalt gegen den Einmarsch eines diktatorischen Systems zu verteidigen. Und ich denke besonders an die, die ihr Engagement mit dem Leben bezahlt haben.

Nur möglich unter Einsatz ihres Lebens

Christen gehen davon aus: Gott hat alle Menschen mit gleicher Würde geschaffen. Niemand hat das Recht, einen anderen Menschen zu unterdrücken. Als Christin bin ich davon überzeugt: Gott will, dass alle Menschen in Frieden und Freiheit leben können. Er hat jedem Menschen Talente geschenkt, die er oder sie zur Freude und zum Nutzen der anderen einsetzen sollte. Deshalb ist es wichtig, sich für Freiheit und Mitbestimmung aller Menschen einzusetzen.

Kein Mensch sollte Gewalt anwenden müssen, um sich gegen Unterdrückung zu wehren. Aber manchmal scheint die Verteidigung der Freiheit nur möglich, wenn Menschen ihr Leben dafür einsetzen. Ich bete heute für den Frieden und dafür, dass Menschen überall auf der Welt in Freiheit leben können, so wie sie möchten. Und ich gehe auch auf die Straße, wann immer es nötig ist, Freiheit und Demokratie zu verteidigen.

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