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Von vorne anfangen
Bild: Pixabay/dgsamples

Von vorne anfangen

Gabriele Heppe-Knoche
Ein Beitrag von Gabriele Heppe-Knoche, Pfarrerin, Leitung Evangelisches Forum Kassel
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Nun stehen die Signale auf Hoffnung: Die Pandemie könnte jetzt in eine neue Form übergehen, eine Endemie. Neue alte Freiheiten winken. Mehr Kontakte können jetzt wieder möglich werden. Hände schütteln, Umarmungen, ausgelassene Feiern.

Tiefe Gräben

Ich stelle mir vor, wie das sein wird. Menschen in meinem Umfeld fallen mir ein, die so gänzlich anderer Meinung sind. Corona sei nicht so gefährlich wie überall beschworen, die Maßnahmen führen nur zu Chaos und Gängelei, der Impfstoff viel zu riskant - so argumentieren sie. Quer durch Familien und Freundeskreise gingen und gehen die unterschiedlichen Haltungen. Und immer wieder habe ich gehört, dass Kontakte abgebrochen sind und Freundschaften auseinander gingen. Die Gräben wurden einfach zu tief.

Wie wird es sein, wenn alle Kontakte wieder möglich sind?

Wie wird das sein, wenn wir wieder alle zusammenkommen? Wenn das Risiko einer Infektion nicht mehr zwischen den Menschen steht? Was wird dann mit dem gegenseitigen Unverständnis, mit der Wut, der Enttäuschung? Wird das so unversöhnlich bleiben? Wie können Menschen dann wieder zusammenfinden?

Eine biblische Geschichte gibt Hilfestellungen

Eine Geschichte im Johannesevangelium macht mir Mut. Sie spielt da, wo damals alles mit Jesus begann. Am See Genezareth. Dort findet er seine ersten Jünger. Sie folgen ihm auf seinem Weg nach Jerusalem, fast bis ans Ende. Aber als sich die Ereignisse zuspitzen, als Jesus gefangen genommen wird, da packt sie die Angst. Sie laufen weg, verstecken sich. Sie haben ihn seinem Schicksal überlassen. Wie bitter.

"Gebt nicht auf! Fangt von vorne an!"

Diese schwierigen Erinnerungen tragen sie in sich, als sie in ihre Heimat zum See Genezareth zurückkehren. Dahin wo alles begann. Manchmal brennt noch die Scham in ihnen über ihre Feigheit, ihren Verrat, ihren Unglauben. Sie werden wieder Fischer wie früher, fahren hinaus mit ihren Booten und werfen die Netze aus. Aber es ist wie so oft. Sie fangen nichts. Auf einmal steht einer am Ufer und ruft: Gebt nicht auf! Fangt noch einmal von vorne an! Als sie genau hinsehen, erkennen sie ihn. Es ist Jesus, der Auferstandene. Petrus wirft sich vor Begeisterung ins Wasser und schwimmt auf Jesus zu. Die anderen folgen im Boot. Und als sie am Ufer ankommen, brennt da ein Feuer und auf einem Rost braten Fische und Brot.

Ein Neuanfang

Es ist wie eine Heimkehr. Sie sitzen zusammen um das Feuer. Das, was zwischen ihnen stand, das ist auf einmal weg. Jesus macht ihnen keine Vorwürfe. Sie erfahren: es gibt einen neuen Anfang. Jesus macht den ersten Schritt. Sie dürfen noch einmal von vorne beginnen. Was geschehen ist, ist geschehen. Aber sie dürfen nach vorne sehen in eine neue gemeinsame Zukunft.

Die Geschichte macht Mut. Mut, auch heute von vorne zu beginnen. Vielleicht genau so. Mit einer Einladung zum Essen. Mit einem Schritt aufeinander zu. Einen Versuch ist es wert.

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