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Loben ist lecker
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Loben ist lecker

Ein Beitrag von Sabine Müller-Langsdorf, Evangelische Pfarrerin, Zentrum Oekumene, Frankfurt
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Ich lese am Morgen meistens die Herrnhuter Losungen. Das ist ein kleines blaues Buch mit zwei Bibelversen für jeden Tag. Der eine Bibelvers ist aus dem Alten Testament und wurde für jeden Tag per Los ausgewählt. Dazu kommt ein passender Bibelvers aus dem Neuen Testament. Mir geben diese beiden Bibelworte einen guten Start in den Tag.

„Lobe den Herrn! Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding!“

Der Losungsvers für heute zum Beginn der Woche klingt wie ein kulinarischer Geheimtipp: „Lobe den Herrn! Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding!“ (Psalm 147,1) Loben ist also eine leckere Sache. Schmeckt gut. Tut gut.

Die „Gut-gemacht-Maschine“

Gott loben, aber auch selbst gelobt werden tut gut. Vielleicht gibt es darum in einem Schweizer Dorf eine „Gut-gemacht-Maschine“. Sie wurde als Werbegag für die Kommune in ein stillgelegtes Telefonhäuschen neben einer Bushaltestelle eingebaut. Man kann auf einem Touchscreen schreiben, was man Gutes getan hat. Zum Beispiel: „Ich habe heute die Schicht eines Kollegen übernommen.“ Danach gibt man seine E-Mail-Adresse ein. Und dann erscheint es auf dem Bildschirm, das Lob: in Form eines Videos von Menschen, die zu Volksmusik und im Zeitraffer jubeln, tröten, Luftschlangen durch die Gegend pusten und applaudieren. Im E-Mail-Postfach geht unterdessen ein Gutschein ein, etwa für eine lokale Bäckerei.

Lob ist wichtig für jeden Menschen

Ist das Humbug oder Kinderkram? Psychologen sagen, Lob ist wichtig für jeden Menschen. Ein Lob zeigt: Ich bin nicht allein. Ich bin eingebunden in eine Gemeinschaft. Mein Tun wird gesehen. Im Loben bekomme oder gebe ich Anerkennung. Und das „ist ein köstlich Ding“, wie der biblische Losungsvers für heute sagt. Tut gut, schmeckt gut, mal zu sagen oder zu hören: „Klasse, das hast du toll gemacht.“

Nicht immer muss das Lob in Worte gefasst sein. Es braucht auch nicht unbedingt jedes Mal einen Gutschein für die Bäckerei. Ein aufmerksamer Blick, ein bestätigendes Lächeln kann auch ein schönes Lob sein.

„Gut gemacht, Gott!“?

Der Losungsvers sagt: „Lobe den Herrn!“ Zum Lob für Menschen kommt das Lob auf Gott. Wie geht das, Gott loben? Kann ich zu Gott wie zu einem Menschen sagen: „Gut gemacht, Gott!“? Klingt anmaßend. Aber die Menschen in der Bibel tun das so. Sie zählen auf, was Gott Gutes bewirkt: Gott heilt zerbrochene Herzen. Gott richtet auf, wer sich niedergedrückt fühlt. Gottes Kraft ist groß.

Gottes Kraft bewirkt Gutes

Gott loben, das fängt damit an, dass ich damit rechne: Gott wirkt tatsächlich in meinem Leben. Gottes Kraft bewirkt Gutes. Das schenkt mir eine andere Perspektive. Wenn ich Gott lobe, richte ich mein Denken auf eine andere Wirklichkeit, über mich selbst hinaus. Ich sehe ab von meinem klein-klein. Ich starre nicht auf das, was mich beschwert. Ich nehme das Positive in den Blick. Tut gut. Schmeckt gut. Die biblische Losung für heute hat schon recht: Loben ist ein köstlich Ding.

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