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Der mit dem Gold kommt
Bild: medio.tv/Schauderna

Der mit dem Gold kommt

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Der mit dem Gold, der wollte ich immer sein. Wenn ich als Kind die Geschichte von den Heiligen drei Königen hörte, dann fiel mir nichts ein zu Weihrauch und Myrrhe. Wie sollte es auch. Aber Gold, Gold kannte ich natürlich. Und dachte dann im Stillen immer: Der will ich gerne sein.

Gold können Jesus und seine Eltern sicher gut gebrauchen

Mit Gold können das Jesuskind und seine Eltern bestimmt etwas anfangen. Weihrauch und Myrrhe kannte ich nicht. Was soll man damit, überlegte ich als Kind jedes Jahr aufs Neue. Mir fiel nichts ein. Aber Gold - das ist doch etwas fürs Leben armer Leute.

Denn arm waren sie ja bestimmt - Josef, Maria und das Kind, stellte ich mir immer vor. Nur ein Esel und dazu einen Stall, da hat man kaum Geld. Oder gar keins. Aber dann - kommen mitten in der Nacht der Sorgen die Könige, vor allem der mit dem Gold. Das ist doch etwas.

"Den König mit dem Gold vergessen sie bestimmt nie mehr"

Den König mit dem Gold vergessen sie bestimmt nie mehr, dachte ich als Kind immer und wäre gerne dieser König gewesen. Melchior hieß der. Den Namen fand ich seltsam, aber sein Geschenk fand ich wunderbar. Was muss der reich sein, dachte ich immer. Wer eine Krone auf dem Kopf hat und ein Säckchen mit Gold verschenken kann, muss doch steinreich sein. Dann sah ich mich als König vor dem Kind knien und wusste: Den König mit dem Gold vergisst das Jesuskind nie mehr. Und die Eltern vergessen diesen einen natürlich auch nicht. Das tat mir gut.

Geschenke machen tut gut. Geschenke bekommen auch

Und dann dachte ich stolz: Ich habe so viel Gold, dass ich davon einfach etwas einem Kind schenke, einem kommenden König. Geschenke machen tut gut. Geschenke bekommen auch. Und einem kleinen Kind etwas schenken tut erst recht gut. Dann sah ich mich als König mit leuchtenden Wangen, auf dem Kopf die Krone, auf meinen Knien vor der Krippe. Ich hole dann ganz still mein Säckchen Gold aus dem Mantel, lege das dem Kind vor die Krippe oder in die Krippe. Das Gold klimpert und ich bin stolz auf mich. Ich hatte dem Kind schließlich etwas fürs Leben geschenkt. Ich fühlte mich gut. Das Kind auch, hoffte ich jedenfalls. Und das Jesuskind hätte mich bestimmt angelächelt und zu mir gesagt: Du musst mir doch nichts beweisen; ich hab‘ Dich auch so lieb.

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