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In Erwartung
Bild: sarah_richter_pixabay

In Erwartung

Pia Arnold-Rammé
Ein Beitrag von Pia Arnold-Rammé, katholische Pastoralreferentin im Ruhestand, Frankfurt
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Adventskranz, Lichterketten, Plätzchen backen – all das gehört für mich zum Advent unbedingt dazu. Jedes Jahr freue ich mich wieder darauf und genieße es. Advent – das Wort kommt ja ursprünglich aus dem Lateinischen und heißt Erwartung. Die Adventszeit ist also die Zeit der Erwartung. Aber was erwarten wir? Naja, erst einmal natürlich das nahe Weihnachtsfest. Viele schauen allerdings nicht mit freudiger Erwartung auf das Weihnachtsfest. Sie merken dann besonders, dass sie alleine sind. Andere müssen sich mit ihren Familien treffen, haben aber eigentlich keine rechte Lust dazu.

Die Vision einer wunderbaren Zukunft

Christinnen und Christen verstehen die Adventszeit auch als Zeit der Vorbereitung und Erwartung der Geburt Jesu, die ja an Weihnachten gefeiert wird. Aber was wird da genau erwartet? Viele biblische Texte, die in dieser Zeit in den Kirchen gelesen werden, stammen von den Propheten. Gemeinhin gelten Propheten ja als diejenigen, die die Zukunft voraussehen können. Und ein bisschen ähnlich ist das auch in der Bibel. Heute zum Beispiel geht es bei einem Text des Propheten Jesaja um die Vision einer wunderbaren Zukunft. Dafür benutzt er Bilder aus der Tierwelt. Es heißt da: „Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten, Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander.“ (Jesaja 11,6-7)

Werden Wolf und Lamm jemals friedlich zusammen leben?

Was für ein unrealistisches, aber einfach grandioses Tierreich des Friedens wird da gemalt! Tiere, die sich ansonsten gegenseitig auffressen, liegen plötzlich friedlich beieinander. Doch auch in dieser Zeit, vor über 2500 Jahren, war es keineswegs so friedfertig wie das Bild vom Tierfrieden es zeigt. Ganz im Gegenteil, kriegerisch und gewalttätig ging es zu, fast so schlimm wie heutzutage. Ja, die Bilder des Jesaja sind unrealistisch: Niemals wird es gelingen, dass der Wolf beim Lamm wohnt, ohne es zu fressen. Oder dass Kalb und Löwe zusammen weiden können, ohne dass Blut fließt.

Der Advent stärkt die Hoffnung, dass eine bessere Welt möglich ist

Kann man so etwas wirklich erwarten? Passt das zum Advent, zur Zeit der Erwartung? Ich finde: Gerade, wenn die Zeiten schlecht sind, sind die Träume und Hoffnungen wichtig. Schon damals zu Zeiten des Propheten Jesaja war das so. Er will ja nicht nur die Menschen wachrütteln, sondern vor allem ihre Hoffnungen und Visionen stärken. Eine bessere Welt ist möglich, auch wenn vielleicht momentan alles dagegenspricht. Und das ist nicht nur damals eine wichtige Botschaft, sondern gerade auch heute. Und das ist für mich als Christin das, was Advent bedeutet: eine bessere Welt ist möglich! Vertraut dieser Erwartung!

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