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Königtum und Königshaus
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Königtum und Königshaus

André Lemmer
Ein Beitrag von André Lemmer, Pfarrer in der Pfarrei Sankt Elisabeth in Kassel
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Die Queen ist gestorben. Vor zwei Wochen begann die Welt nach Großbritannien zu schauen. 70 Jahre auf dem Thron – viele Menschen kennen gar keine andere britische Monarchin. Ich hörte an diesem Tag Radio mit meinen Kopfhörern, um nicht durch die Hektik um mich herum abgelenkt zu werden. Klar war, dass das britische Königshaus in den nächsten Tagen und Wochen genau analysiert wird. Jeder denkwürdige Tag Elisabeths wird uns in Erinnerung gerufen. Aber nicht nur schöne Tage sind dabei, auch die Skandale werden noch einmal ausgebreitet.

Königtum und Königshaus

Ich will schon den Sender wechseln, um diesen Geschichten zu entfliehen. Denn gerade beginnt zwischen Moderatorin und einem Experten eine Unterhaltung, ob der neue König Charles überhaupt den Ansprüchen gerecht werden kann, die die Krone von ihm fordert. Die Haltung des Experten lässt mich aufhorchen. Er unterscheide zwischen Königtum und Königshaus.

Das, was bleibt

Während das Königshaus immer wieder von kleineren und größeren Skandalen geprägt ist, ist das Königtum wie eine Partitur, die über allem liegt. Das Königtum ist die unveränderliche Größe. Es ist nicht nur ein Anspruch, dem der neue König gerecht werden muss, sondern auch der Garant dafür, dass der König überhaupt dem gerecht werden kann, was von ihm erwartet wird. Königtum ist mehr als nur Tradition und Reglements. Es ist das große Ganze der britischen Monarchie. Es sind alle Könige und Königinnen, alle vergangenen und alle zukünftigen. Es ist Richtschnur für Herrschende und für die Menschen. Es ist das, was bleibt, wenn die Personen wechseln.

Parallelen zur Kirche

Ist das nicht auch so mit Kirche, denke ich mir? Bleiben wir nicht so oft im Kleinen wie im Großen hinter den Ansprüchen zurück, die Kirche an uns, an mich als Priester stellt? Ist da nicht auch ein Unterschied von Kirche und den Menschen? Menschen, die versuchen, Kirche zu sein. Manchmal gelingt es, manchmal nicht. Viel Gutes geschieht im Namen der Kirche, aber auch Schlechtes haben die Menschen in ihrem Namen hervorgebracht. Eigentlich müsste mich gerade das Schlechte demotivieren. Aber irgendwie sehe ich Kirche nicht nur als Anspruch, der mich fordert, sondern auch als Richtschnur auf Weg, der gemeinsam gegangen wird. Kirche wird mir zu dem großen Ganzen, das mir Halt gibt. Sie wird zu einer Partitur, die garantiert, dass auch über dunklen Seiten wieder Licht strahlen wird.

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