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Fan von Biografien
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Fan von Biografien

Heidrun Dörken
Ein Beitrag von Heidrun Dörken, Evangelische Pfarrerin, Senderbeauftragte für den Hessischen Rundfunk
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Ich bin ein Fan von Biografien. Ich liebe es, in das Leben von Menschen einzutauchen. Zum Beispiel hat mich die Biografie von Katharina Zell beeindruckt.

Katharina Zell - eine theologische Publizistin vor 500 Jahren

Sie lebte vor 500 Jahren in Straßburg. Als Frau damals durfte sie eigentlich nicht in der Öffentlichkeit wirken. Katharina Zell hat es trotzdem getan. Sie hat Flugschriften und Predigten geschrieben. Heute würde man sie eine theologische Publizistin nennen.

Eine Ehe trotz Zölibat

Katharina Zell war begeistert von den Glaubens-Reformen Martin Luthers. Sie machte öffentlich, wie ihr neuer Glaube Ängste besiegt hat, sie frei und zuversichtlich machte. Sie hat etwas getan, was Luther sich erst Jahre später traute. Katharina heiratete. Gut, das wäre normal gewesen. Aber sie heiratete einen Pfarrer, Mattis Zell vom Straßburger Münster. Das war verboten. Ein Pfarrer musste im Zölibat leben. So war das damals. So ist das bis heute Gesetz der römisch-katholischen Kirche[i].

Ihre Trauung war eine öffentliche Demonstration. Gegen die gängige Auffassung: Wer auf Liebe und Ehe verzichtet, ist dem Himmel eine Stufe näher. Katharina und Mattis waren dagegen überzeugt, dass Luther die Bibel richtig verstanden hat: Gott hat Mann und Frau geschaffen. Gott hat Geist und Leib geschaffen.

Hilfe für Frauen und Kinder während der Bauernkriege

Gemeinsam sind Katharina und Mattis für ihren Glauben eingetreten. Und für das, was aus christlichem Glauben ganz selbstverständlich folgt: Hilfe für andere. Es war die Zeit der Bauernkrie­ge. Katharina orga­ni­sierte Hilfe für die Frauen und Kinder der er­schla­genen Bau­ern. Sie gewährte in ihrem Haus Asyl. Und zwar allen, die sie baten, auch wenn ihr deren Ansichten und Glauben nicht passten.

Katharina schrieb einmal: „Alle haben zu uns kommen dürfen. (…) Wir sind auch nicht gezwun­gen gewesen, ihrer Mei­nung und Glau­bens zu sein. Wir sind aber schul­dig gewe­sen, jedem Liebe und Barmher­zig­keit zu erweisen, das hat uns Chri­stus ge­lehrt."[ii] Solche Biografien faszinieren mich. Sie zeigen mir:  Auch in schwierigen Zeiten waren Menschen für andere da. Und sind gleichzeitig sich selbst treu geblieben.

 


[i]www.hessenschau.de/gesellschaft/wie-ein-priester-gegen-den-zoelibat-verstiess-und-gluecklich-wurde-,pfarrer-jan-kremer-100.html

[ii]https://briefe.glaubensstimme.de/category/zell-katharina/

Zum Weiterlesen: http://frauen-und-reformation.de/index.php?s=bio&id=20

 

 

 

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