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Tief berührt vom Füßewaschen
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Tief berührt vom Füßewaschen

Andrea Seeger
Ein Beitrag von Andrea Seeger, Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Schuhe und Strümpfe mitten auf der Straße ausziehen – vor aller Augen? Sowas machen Menschen sonst nur beim Arzt oder in der Fußpflege – dort ist der Ort für die Hornhäute und Schwielen, für Druckstellen und Hühneraugen.

Wie Jesus anderen Menschen öffentlich die Füße waschen

Anderen öffentlich die Füße zu waschen, das ist fast anstößig. Eine Gruppe von Pfarrerinnen und Pfarrern in Hamburg hat sich trotzdem getraut. Sie haben auf diese Geste Jesu gesetzt. Ein Wagnis – zugegeben.

Wie ein Segen ...

Doch dann lassen sich mehr als 40 Menschen nieder auf den weißen Stühlen, aufgestellt im Vergnügungsviertel auf der Reeperbahn. Viele Zaungäste stehen drum herum. Ein junger Arzt hat von der Aktion im Radio gehört. Seine Freundin muss verreisen und sie wollen noch den letzten gemeinsamen Abend genießen: „Ich stand heute acht Stunden im OP, ohne Pause … und das hier tut sooo gut!“, bekennt er. Wie ein Segen als leise Begleitmelodie für den vorerst letzten gemeinsamen Abend des Pärchens.

Eine junge Frau fragt: „Was kostet das?“ Antwort des Pfarrers: Gar nichts! „Aber wo kann man denn jetzt was spenden?“ Nein“, sagt der Pfarrer, „es geht auch nicht ums Spenden. Wir machen das einfach so.“ Ihre Augen leuchten: „Das ist so schön gewesen. Ich bin dankbar!“

Eine tolle Erfahrung

Eine der Pfarrerinnen spricht einen Mann an, ob er mitmachen will. Er ist – wie so viele – überraschenderweise gleich voll dabei. Sofort bekennt er: „Ich bin ausgetreten.“ Stille. Und weiter: „Nicht wegen Missbrauch, sondern weil ich so viel gebetet habe und es hat nichts gebracht. Meine Frau ist vor einem Jahr gestorben.“ Die Pfarrerin wäscht schweigend weiter, versucht, seine Füße mit Öl zu streicheln. Sie sucht nicht nach dann doch nicht passenden Worten, sondern belässt es ganz bei dieser Geste. Hinterher sagt sie zu ihm: „Das hier heute ist für dich. Weil dir Gutes geschehen soll.“ Benommen stolpert er weg, kommt zurück und sagt: „Vielleicht trete ich bei euch wieder ein. Ich finde das so toll, was ihr macht. So toll. So toll!“

Das finde ich auch. Menschen lassen sich berühren – man muss es nur versuchen.

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