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Ein Blinder weist den Weg
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Ein Blinder weist den Weg

Andrea Seeger
Ein Beitrag von Andrea Seeger, Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Matthias Bormuth aus Darmstadt ist leidenschaftlicher Radfahrer. Er ist schon beim Race across America mitgefahren. Die Tour führt von der Westküste der Vereinigten Staaten bis zur Ostküste. Dabei hat Bormuth gesehen, dass auch Tandem-Teams mit dabei waren, bei denen ein Gehandicapter und einer ohne Behinderung im Sattel sitzen.

Ehrenamtliches Tandemradeln

Bormuth war fasziniert. Als er hörte, dass es eine solche Tandem-Gruppe auch in seiner Heimatstadt gibt, bewarb er sich als Fahrer – zum ehrenamtlichen Radeln in den warmen Monaten.

Beim Tandem fahren braucht man Vertrauen

Auf einem Tandemrad zu fahren ist nicht so leicht. Anfahren, schalten, stoppen, – alles sollte der Vordermann oder –frau rechtzeitig ankündigen, um die Abläufe geschmeidig zu gestalten. Die hintere Person bewegt sich mit, keinesfalls darf sie sich gegen die Kurve legen, das erschwert das Fahren erheblich. Bei manchem Gespann klappt es auf Anhieb, bei anderen hakt es.

Frank Schäfer heißt der Tandem-Partner von Matthias Bormuth. Schäfer fährt schon lange Tandem – immer hinten. Er ist sehbehindert. Die beiden harmonierten von Beginn an.

Der sehbehinderte Partner wußte den Weg

An einem Samstag war das Duo mal wieder auf Tour. Vordermann Matthias hing seinen Gedanken nach und verfuhr sich. „Du musst links abbiegen, nicht rechts“, erscholl es von hinten. Im ersten Moment war Bormuth irritiert. Wie kann sein sehbehinderter Partner wissen, dass er auf einem falschen Weg ist?

Hintermann Frank kann zwar kaum etwas sehen. Aber er hat sämtliche Strecken im Kopf und im Körpergedächtnis gespeichert, stets abrufbar. Man sollte eben nie seinen Tandem-Partner unterschätzen.

Man sollte niemanden unterschätzen

Mir passiert es öfter, dass ich jemanden unterschätze, ihm nicht genug zutraue – einschließlich mir selber. Jesus war da ganz anders. Er hat so vielen Menschen etwas zugetraut, was andere nicht für möglich hielten. Er hat so oft die Dinge auf den Kopf gestellt, Gewissheiten hinterfragt, neue Perspektiven eröffnet. Menschen haben sich so viele Male darüber gewundert.

Auch Matthias Bormuth hat gestaunt, das ein Nicht-Sehender ihn, den Sehenden, wieder auf den richtigen Weg bringt. Gefreut hat es ihn auch. Und deshalb erzählt er es allen weiter.

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