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Friede den verletzten Seelen
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Friede den verletzten Seelen

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer, Kassel
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Nichts mehr ist unvorstellbar. Das muss erschrecken. Vor ein paar Tagen steht ein Mann in Baden Baden auf dem Dach eines Hauses

(n.tv 3.8.2017). Er will springen, schreibt eine Zeitung. Feuerwehr und Seelsorger sind auf dem Weg. Wollen retten, was zu retten ist. Unten vor dem Haus stehen Menschen. Viele mit Handy und Kamera. Sie filmen, was vielleicht gleich geschieht. Und weil es ihnen nicht gleich genug geschieht, feuern sie den Mann an, er solle doch springen. Die Polizei ist erschüttert. Das haben wir noch nie erlebt, sagen sie, als sie den Mann unbeschadet vom Dach führen. Nichts ist mehr unvorstellbar.
Auch das Herzlose nicht. Man sieht das Elend und filmt es. Statt die Hände zu falten, um Gnade zu bitten. Man sieht Verzweifelte und tröstet sie nicht. Weil man Bilder will. Wer soll das begreifen. Schauen sich diese Menschen später dann die Bilder beim Kaffeetrinken an? Womöglich zeigen sie die Bilder ihren Nachbarn und sagen: Schau mal, ich war dabei. Haben sie so wenig eigenes Leben, dass sie nur das Elend anderer am Leben hält?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Man kann sich wohl berauschen am Unglück anderer. ‚Hauptsache, mir geht’s gut‘,
kann man denken, statt die Hand zu reichen. Oder das Herz. Ob es noch schlägt, während man das Elend filmt? Ich fürchte nein. Sonst müsste es weinen, klagen, Gott um Erbarmen bitten. Und nicht herumstehen und stören. Wo Herz ist, ist Trost.
Ein Empfinden für andere. Wo Herz ist, wünscht man sich das Beste. Vor allem Frieden für verletzte Seelen.

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