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Anfangen aufzuhören

Anfangen aufzuhören

Dr. Joachim Schmidt
Ein Beitrag von Dr. Joachim Schmidt, Evangelischer Pfarrer, Darmstadt

Gewalt, ob mit Waffen oder mit Fäusten, mit Worten oder in Gedanken, das ist etwas für Feiglinge – und für Dumme. Das glauben Sie nicht? Wie läuft es denn so im Familienkreis, in der Nachbarschaft, in der Firma? Da lässt man sich doch nichts bieten und keiner lässt gerne was auf sich sitzen. Jede Gemeinheit wird vergolten, und jede Kränkung bekommt ihre Antwort. Zumindest in Gedanken schlägt man zurück, und jedes neue Ereignis steigert den Groll noch ein bisschen mehr. Bis sich die Wut vielleicht eines Tages Bahn bricht und Dinge gesagt oder getan werden, die nicht mehr zu  reparieren sind.

Ob im privaten Kreis oder in der großen Politik: Gewalt beginnt im Kopf, und sie ist wie die Spirale einer unheimlichen Wendeltreppe. Schritt für Schritt geht es aufwärts. Jeder Stufe der Gewalt folgt eine nächste, weil keiner den Mut aufbringt, stehen zu bleiben und nicht weiter zu gehen. Dabei wissen doch alle, dass jede Wendeltreppe irgendwann zu Ende ist. Immer größer werden Hass und Verzweiflung, immer größer das Leid. Aber aufhören? Die anderen bitte zuerst!

Selber auszusteigen aus der Spirale der Gewalt, das ist nichts für Dumme und für Feiglinge schon gar nicht. Das braucht viel Nachdenken und Köpfchen und unendlich viel mehr Mut und Phantasie, als einfach dumpf immer weiter zu machen. Es gibt berühmte Beispiele. Jesus war so einer, aber auch Ghandi oder Martin Luther King. Aber es gibt auch viele Zehntausende, die immer wieder und ganz im Stillen die Spirale der Gewalt zu durchbrechen versuchen: Sie arbeiten in kleinen und großen Versöhnungs- und Hilfsorganisationen, in Flüchtlingseinrichtungen und Beratungsstellen. Und es gibt die Ungezählten, die beharrlich in ihrem eigenen Alltag dafür sorgen, dass die Gewalt sich nicht immer weiter in den Köpfen festsetzt.

Sie alle haben es unendlich schwerer als jene, die schnell und ohne viel Nachdenken auf Gewalt und Waffen setzen. Und sie alle verdienen unseren Respekt und unsere Hochachtung. Und vielleicht sogar, dass sich mehr Menschen daran ein Beispiel nehmen.

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