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„Hinter eines Baumes Rinde“

„Hinter eines Baumes Rinde“

Ein Beitrag von Sandra Matz, Pfarrerin, Evangelisches Gemeindenetz an der Nördlichen Bergstraße, Alsbach

"Hinter eines Baumes Rinde sitzt die Made mit dem Kinde." So beginnt das wohl bekannteste Gedicht des großen deutschen Komikers des letzten Jahrhunderts: Heinz Erhard.  Auch noch 35 Jahre nach seinem Tod bringt er mich und viele andere Menschen zum Lachen: mit seiner Leichtigkeit, mit seinem Wortwitz – dieser Art des unfreiwillig Komischen. Manch junger Comedian bewundert ihn heute noch dafür.

Doch leicht hat es sich Heinz Erhardt wohl nie gemacht. Er – der große Entertainer der Nachkriegszeit – litt nicht nur unter Lampenfieber. Er war wohl auch getrieben von der ständigen Sorge, beim Publikum nicht mehr anzukommen. Je mehr man ihn feierte, desto größer war seine Angst, vergessen zu werden. Also legte er Alben an, in denen er akribisch jede nur kleinste Pressemitteilung über ihn sammelte. Eine seiner Töchter erinnert sich daran, dass ihr Vater im Grunde permanent unter Stress stand. Aus Angst davor, abgelehnt zu werden, ging er sogar mit hohem Fieber auf die Bühne. In einem seiner letzten Gedichte wird etwas von dieser Unruhe und Schwermut spürbar, wenn er sagt: „Oh wär ich der Kästner Erich! Auch wär ich gern, Christian Morgenstern... Doch nichts davon!... Drum bleib ich- wenn es mir auch schwer ward – nur der Heinz Erhard.“

Die wenigsten von uns sind auf den großen Bühnen der Welt unterwegs. Die wenigsten von uns müssen einem öffentlichen Druck standhalten, wie ihn Heinz Erhardt erlebte. Aber das Gefühl der Selbstzweifel, das kennen wir. „Ist das wirklich gut, was ich mache?“ Sicherlich, eine gute Portion Zweifel an der eigenen Person, dem eigenen Genie oder der Arbeit tut gut. Wer sich immer nur für den oder die Beste hält, wird sich nicht mehr verändern und bleibt irgendwann stehen - wahrscheinlich sogar allein. Arrogant ist, wer keine Fragen mehr stellt. Aber auch: Unglücklich ist, wer sich selbst und alles, was er oder sie ist, nur noch in Frage stellt.

Mich macht die Zerrissenheit von Heinz Erhardt traurig. Ich hätte ihm gerne gesagt, dass er auch noch lange Jahre nach seinem Tod ein hoch geschätzter Komiker sein würde. Denn das hätte ihn selbst wahrscheinlich am meisten gewundert. Seine Geschichte sagt mir: Trau dir ruhig mehr zu! Stelle Fragen, aber hör auf, dich zu oft in Frage zu stellen. Denn auch ich habe zwar manchmal, aber höchst wahrscheinlich nicht immer Grund dazu.

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