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Frieden ist nicht selbstverständlich – vor 69 Jahren war der Krieg zu Ende

Frieden ist nicht selbstverständlich – vor 69 Jahren war der Krieg zu Ende

Ein Beitrag von Helwig Wegner-Nord, Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai war der Krieg zu Ende. In diesen Maitagen 1945 wurde endlich wahr, was viele lange ersehnt hatten. Keine Flieger mehr über den Städten. Keine unsinnigen Befehle mehr. Heute vor 69 Jahren war der erste Tag nach der Kapitulation Deutschlands.

Manche haben das so gesehen, dass die Deutschen jetzt die Verlierer sind. Die meisten aber fühlten sich befreit und beschenkt: endlich Frieden! Ich habe mir erzählen lassen, dass diese erste Zeit nach dem Kriegsende für viele Menschen mit dem Geruch von Trümmern und verbrannten Balken verbunden ist. Allein in Frankfurt liegen im Mai 1945 unvorstellbare 17 Millionen Tonnen Trümmer.

Also muss man Schutt weg räumen. Den Schutt der Häuser, aber auch die Trümmer der eigenen Geschichte. Frieden zu schaffen, ist alles andere als leicht, wenn immer mehr unvorstellbare Verbrechen ans Licht kommen, die von Deutschen begangen wurden. Viele Menschen leiden an tiefen Wunden. Am Verlust der Heimat. Oder dem Verlust von Angehörigen. Der Krieg wirft seine Schatten noch weit hinein in die Familiengeschichten. Aber Jahr für Jahr wächst der Frieden und kann erhalten werden. Selbstverständlich ist das nicht, sondern eher ein Geschenk des Himmels.

Vor wenigen Tagen hat der frühere Münchener Oberbürgermeister und SPD-Vorsitzende Hans Jochen Vogel gesagt: „Wir sind derzeit geneigt, den Frieden in Europa für eine Selbstverständlichkeit zu halten. Unsere Generation, die den Krieg noch erlebt hat, ist aufgerufen, den Jungen zu erklären, dass dem nicht so ist. Verbunden mit dem Aufruf: Engagiert euch, damit dieser Zustand erhalten bleibt!“ 

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