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60 Jahre "Wort zum Sonntag"
Bild: Pixabay

60 Jahre "Wort zum Sonntag"

Ein Beitrag von Helwig Wegner-Nord, Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

Heute ist so etwas wie der Geburtstag einer Fernsehsendung: Das „Wort zum Sonntag“ wird 60. Das Licht der Welt erblickte es am 8. Mai 1954, samstagabends zum Sendeschluss. Und seither haben über 300 Sprecherinnen und Sprecher mit dem „Wort zum Sonntag“ versucht, in wenigen Minuten einen klugen Gedanken zum Wochenschluss weiterzugeben, haben versucht, ein wenig zu trösten, ein bisschen Licht zu verbreiten.

Klingt einfach – ist aber ziemlich schwer. Für die Menschen, die samstagsabends fernsehen, ist es inzwischen ungewohnt, inmitten der vielen schnellen und bunten Bilder, zwischen den Reportagen der Tagesthemen und der Liveübertragung eines Boxkampfs vier Minuten lang nichts anderes zu sehen als ein Gesicht. Noch dazu das Gesicht eines Menschen, der von seinem Glauben zu sprechen versucht, was ja ohnehin nicht einfach ist.

Darum gibt es über das „Wort zum Sonntag“ auch so viele spöttische Bemerkungen und satirische Parodien. Und manche fordern auch, die Sendung nach 60 Jahren endlich einzustellen, weil sie nicht mehr in diese Zeit passen würde. Doch die zweitälteste Sendung im deutschen Fernsehen behauptet sich. Nicht um Menschen für die Kirche zu gewinnen, nicht um Geld für Hilfsprojekte zu sammeln, auch nicht, um wichtige Repräsentanten der Kirchen zu Wort kommen zu lassen.

Nein. Da kommen Fragen zur Sprache, für die sonst wenig Zeit ist: Welche Verantwortung wir füreinander haben, wie wertvoll kranke und schwache Menschen sind, wie Hoffnung auch über den Tod hinaus stark bleiben kann.  Es gibt das „Wort zum Sonntag“, so könnte man sagen, um der Seele der Gesellschaft etwas Gutes zu tun. Und das, hoffe ich, noch an ganz vielen weiteren Samstagen.

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