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Die Kraft des Alters

Die Kraft des Alters

Ein Beitrag von Alrun Kopelke-Sylla, Pfarrerin, Echzell

Mit 55 Jahren ging Peter in den vorgezogenen Ruhestand. Die Arbeit in der Bank hatte ihn zuletzt sehr belastet. Aber er war überzeugt davon, dass er noch Gutes leisten könnte. Nach ein paar Monaten Erholung wollte er sich verstärkt im Haushalt einbringen. Aber er und seine Frau kamen sich dabei dauernd in die Quere, war sie doch gewohnt den Haushalt für die große Familie zu managen.

Auf einem Bio-Bauernhof bot Peter seine Arbeitskraft an; ohne Bezahlung, er wollte nur eine sinnvolle Aufgabe. Aber die Ausdünstungen aus dem Verarbeitungsprozess von Kohl und Gemüse taten ihm gar nicht gut, und nach wenigen Wochen warf er den Job wieder hin. Er begann sich für Heilmethoden jenseits der Schulmedizin zu interessieren. Was ihm selber gut tat, waren Dorn-Breuss-Behandlungen: Rückenmassagen bei denen Energie-Blockaden gelöst werden. Er besuchte Seminare und behandelte seine Frau, wenn die Nebenhöhlenentzündungen oder Verspannungen hatte. Und weil es gut funktionierte, wollten auch seine erwachsenen Kinder behandelt werden.

Mit der Zeit wurde Peter immer besser: Kopfschmerzen, Blasenentzündungen oder Hexenschuss konnte er durch die richtigen Massagegriffe sofort auflösen. Auch taube Stellen am Körper bekamen wieder Gefühl, selbst Bandscheibenpatienten wurden schmerzfrei. Das sprach sich rum, und so baten auch Nachbarn und Bekannte um eine Behandlung. Bald hatte Peter täglich Patienten, und die wollten eine Gegenleistung bringen. Doch statt sich bezahlen zu lassen begann Peter Spenden zu sammeln für das Studium eines blinden jungen Mannes in Brasilien.

Das Geld auf dem Spendenkonto verwaltete ein brasilianischer Pfarrer. Vor ein paar Wochen hat Peter Nachricht bekommen: Der Blinde bedankt sich für die Unterstützung. Er hat sein Studium abgeschlossen und arbeitet nun als Rechtsanwalt. Ohne Unterstützung hätte er das nicht geschafft, jetzt kann er unabhängig leben.

Aus dem Ruhestand was für andere tun, viele Menschen tun das. Manche einfach, indem sie auf die Enkel aufpassen: Aus der Kraft des Alters Leben unterstützen. Dieses Engagement ist unendlich viel wert. Peter ist inzwischen über 70; er behandelt weiter Menschen. Jetzt sammelt er Spenden für brasilianische Straßenkinder.

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